Die digitale Pathologie steht vor einem Durchbruch, da Fortschritte in Bildqualität, KI-Technologie und sinkende Kosten die traditionellen Arbeitsweisen von Pathologen verändern. Eine aktuelle Analyse, veröffentlicht in Clinical OMICs, beschreibt, wie digitale Lösungen die Effizienz diagnostischer Workflows steigern, die weltweite Knappheit an Pathologen adressieren und neue Anwendungen ermöglichen.
Die Mayo Clinic, ein Vorreiter in der digitalen Pathologie, hat in den letzten Jahren über 20 Millionen histologische Glaspräparate digitalisiert, unterstützt durch automatisierte robotische Scanner. Diese Digitalisierung ermöglicht einen schnelleren Austausch von Informationen innerhalb des Kliniknetzwerks, wodurch Expertenmeinungen nahezu in Echtzeit verfügbar sind. „Was früher Tage dauerte, ist jetzt sofort möglich“, erklärte Andrew P. Norgan, Chief Medical Officer der Mayo Clinic Digital Pathology. „Die Digitalisierung unserer Praxis ist ein Schritt, um die Medizin für komplexe Krankheiten voranzutreiben.“
Ein zentraler Treiber des Wandels ist die Integration von KI. Die Mayo Clinic arbeitet mit Partnern wie Google, Microsoft und NVIDIA sowie Aignostics zusammen, um KI-Modelle zu entwickeln, die auf 1,2 Millionen digitalisierten Präparaten basieren. Diese sogenannten Foundation Models bilden die Grundlage für spezialisierte Anwendungen, etwa zur Analyse histopathologischer Daten, und erhöhen die diagnostische Präzision. Unternehmen wie Owkin entwickeln KI-gestützte Tests, die beispielsweise das Rückfallrisiko bei Brustkrebspatienten vorhersagen oder Mikrosatelliteninstabilität in Dickdarmkrebsproben erkennen, was die Therapieauswahl verbessert.
Trotz der Vorteile bleiben Herausforderungen bestehen. Die hohen Kosten für Scanner, Cloud-Speicher und KI-Tools sowie das Fehlen direkter Kostenerstattungen bremsen die flächendeckende Einführung. Interoperabilitätsprobleme und unterschiedliche Anforderungen verschiedener medizinischer Fachrichtungen erfordern maßgeschneiderte Lösungen. Zudem erschweren regulatorische Hürden, insbesondere die sich ständig verbessernden KI-Algorithmen, die Zulassung durch Behörden wie die FDA.
Dennoch sehen Experten wie Chad Richards von Quest Diagnostics und James Rogers von der Mayo Clinic eine wachsende Marktreife. Große Akteure wie Roche Diagnostics und Leica Biosystems intensivieren ihre Bemühungen, während die Digitalisierung nicht nur Effizienzsteigerungen, sondern auch neue Forschungsmöglichkeiten durch die Verknüpfung von Pathologie-, Omics- und Patientendaten eröffnet. Dies könnte die Präzisionsmedizin revolutionieren und Pathologen flexiblere Arbeitsmodelle, einschließlich Fernarbeit, ermöglichen.
Quelle: Clinical OMICs, 7. August 2025
