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„SuperAger“-Gehirne enthalten neuroprotektive Biomarker gegen Alzheimer

Eine 25-jährige Studie der Northwestern University Feinberg School of Medicine hat mehrere Biomarker identifiziert, die mit außergewöhnlichem Gedächtnis und Widerstandsfähigkeit gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer bei sogenannten „SuperAgers“ verbunden sind. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Alzheimer’s & Dementia, könnten neue Wege für Therapien eröffnen, um kognitive Fähigkeiten im Alter zu erhalten und das Gehirn vor neurodegenerativen Erkrankungen zu schützen.

SuperAgers sind Personen ab 80 Jahren, die über ein Gedächtnis und kognitive Fähigkeiten verfügen, die mit Menschen vergleichbar sind, die mindestens 30 Jahre jünger sind. Seit Beginn der Studie im Jahr 2000 wurden 290 SuperAgers untersucht, und 77 ihrer Gehirne wurden nach dem Tod obduziert, um die biologischen Grundlagen ihrer außergewöhnlichen Leistungsfähigkeit zu erforschen.

Die Studie zeigt, dass SuperAgers zwei Hauptmechanismen aufweisen: Resistenz, bei der sie keine Amyloid-Plaques oder neurofibrillären Tangles bilden, und Resilienz, bei der diese pathologischen Veränderungen vorhanden sind, aber keine Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen haben. Insbesondere wiesen cholinerge Neuronen im basalen Vorderhirn von SuperAgers deutlich weniger neurofibrilläre Tangles auf, die bei Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen typischerweise früh geschädigt werden.

Neuroimaging-Analysen ergaben, dass SuperAger-Gehirne resistenter gegen kortikale Ausdünnung sind, ein typisches Merkmal des Alterungsprozesses. Zwar tritt auch bei ihnen eine gewisse Ausdünnung auf, jedoch in viel geringerem Tempo als bei Personen mit typischem Gehirn. Besonders der anteriore cinguläre Kortex, der mit Motivation, Emotionen und sozialem Verhalten assoziiert ist, zeigte bei SuperAgers eine deutlich größere Dicke im Vergleich zu Personen in ihren 50ern und 60ern. Dies passt zu früheren Beobachtungen, dass SuperAgers oft ein ausgeprägt soziales Leben führen.

Neuropathologische Untersuchungen ergaben zudem, dass SuperAgers eine höhere Anzahl von Von-Economo-Neuronen besitzen, spezialisierten Zellen, die mit komplexen sozialen Verhaltensweisen in Verbindung stehen und in Arten wie Menschenaffen, Walen und Elefanten vorkommen. Auch die entorhinalen Neuronen, die für Gedächtnisfunktionen entscheidend sind, waren bei SuperAgers größer, was auf einen möglichen Mechanismus für die Resistenz gegen Neurodegeneration hinweist.

Die Ergebnisse liefern wichtige Einblicke in die Mechanismen, die SuperAgers vor kognitivem Abbau schützen, und könnten die Grundlage für neue Ansätze zur Förderung der Gehirngesundheit im Alter bilden. Die Forscher betonen, dass eine genauere Charakterisierung des SuperAger-Phänotyps in Zukunft zu gezielten Interventionen führen könnte, die die Widerstandsfähigkeit und Resilienz des Gehirns gegen altersbedingte Veränderungen stärken.