Eine neue Übersichtsarbeit in der Zeitschrift Critical Reviews in Oncology/Hematology beleuchtet das Potenzial von zirkulierenden microRNAs (miRNAs) als nicht-invasive Biomarker für die Diagnose und Überwachung von Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) bei Erwachsenen und Kindern. Das Forscherteam um Federica D’Antonio und Giuseppina Catanzaro vom Kinderkrankenhaus Bambino Gesù und der Sapienza-Universität Rom zeigt, wie diese kleinen RNA-Moleküle die Diagnostik revolutionieren könnten.
ZNS-Tumoren sind die häufigsten soliden Tumoren im Kindesalter und die führende krebsbedingte Todesursache bei Männern unter 40 und Frauen unter 20 Jahren. Die derzeitigen Diagnosemethoden wie MRT, Histologie und Liquorzytologie sind invasiv, risikobehaftet und oft ungenau. Die Studie, basierend auf einer PubMed-Recherche von 2000 bis 2024, hebt hervor, dass dysregulierte miRNAs in Flüssigbiopsien (Blut, Serum, Zerebrospinalflüssigkeit) zuverlässige Marker für Diagnose, Prognose und Nachsorge sein könnten. Diese nicht-invasiven Proben ermöglichen wiederholte Analysen ohne die Risiken chirurgischer Eingriffe.
Die Autoren betonen, dass miRNAs in Plasma, Serum oder Exosomen spezifische Signaturen bilden, die Tumortypen wie Gliome oder Medulloblastome unterscheiden können. Beispielsweise zeigte miR-21 in Liquor eine hohe diagnostische Sensitivität für Glioblastome. Die Integration von miRNA-Analysen in klinische Studien könnte die Patientenstratifizierung verbessern und personalisierte Therapien fördern. Herausforderungen umfassen die Standardisierung der Detektionstechniken und die Validierung spezifischer miRNA-Signaturen, da viele nicht tumorspezifisch sind.
Die Studie, unterstützt durch EU-Förderungen, fordert weitere Forschung, um miRNAs in die klinische Praxis zu integrieren. Dies könnte die Lebensqualität und Überlebenschancen von Hirntumor-Patienten erheblich verbessern, insbesondere durch frühere und präzisere Diagnosen.
Link zum Artikel: Circulating microRNAs: A remarkable opportunity as non-invasive biomarkers from adult to pediatric brain tumor patients
