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Neue Chancen durch Smartphone-Apps in der Patientennachsorge: Editorial fasst internationale Forschung zusammen

Smartphone-Apps und mobile Gesundheitstechnologien (mHealth) könnten die Nachsorge von Patienten revolutionieren – von der Diabetesbehandlung bis zur Krebsüberwachung. Ein kürzlich veröffentlichtes Editorial in der Fachzeitschrift „Frontiers in Medical Technology“ fasst die Ergebnisse eines internationalen Forschungsthemas zusammen und hebt Chancen, Herausforderungen und Grenzen dieser Technologien hervor. Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit interdisziplinärer Ansätze, um diese Tools in den klinischen Alltag zu integrieren und die Patientenversorgung zu verbessern.

Das Editorial, verfasst von Uffe Kock Wiil von der Universität Süddänemark, beleuchtet das Forschungsthema „mHealth und Smartphone-Apps in der Patientennachsorge“. Mobile Gesundheitstechnologien nutzen Geräte wie Smartphones, um Gesundheitsinformationen bereitzustellen, Diagnosen zu unterstützen, Therapietreue zu fördern und chronische Erkrankungen zu managen. Laut Wiil spielen sie in der Zukunft eine Schlüsselrolle bei der Nachsorge, etwa bei der Überwachung chronisch Kranker, der Identifizierung von Risikopatienten oder der Verbesserung des Zugangs zu Pflegediensten. Kommunikationsmethoden wie SMS, Push-Benachrichtigungen oder Videobotschaften könnten hierbei eingesetzt werden.

Das Forschungsthema erhielt 29 Einreichungen, von denen 18 qualitativ hochwertige Arbeiten aus 11 Ländern – darunter Südkorea, China, Belgien, Italien, Iran, Pakistan, Malaysia, Mexiko, Nigeria, Litauen und die USA – akzeptiert wurden. Diese umfassen 11 Originalforschungsartikel, 5 systematische Reviews und 2 kurze Forschungsberichte. Insgesamt waren 93 Autoren beteiligt. Wiil betont, dass die Studien nicht nur praktische Anwendungen demonstrieren, sondern auch Limitationen aufzeigen, die zukünftige Forschung adressieren müsse.

Zu den Highlights der zusammengefassten Studien gehören:

  • Eine Meta-Analyse von Yu et al. zu mHealth-Interventionen bei Diabetes: Von 3.911 identifizierten Studien bis August 2024 wurden 41 ausgewählt, die die Vorteile mobiler Apps für das Diabetes-Management bestätigen.
  • Qin et al. stellten ein intelligentes Frage-Antwort-System vor, das große Sprachmodelle mit Wissensgraphen kombiniert, um personalisierte medizinische Beratung für Diabetiker zu bieten und Einschränkungen traditioneller Systeme zu überwinden.
  • Li et al. analysierten in einem Review 35 Studien zu Telemedizin bei chronischen Patienten und identifizierten Themen wie Erinnerungen, Wissenszugang, Behandlungsübergänge und emotionale Unterstützung als Schlüssel zur Verbesserung.
  • Heidari et al. entwickelten eine mHealth-Lösung für schwangere iranische Frauen mit Hypertonie, basierend auf der Selbstbestimmungstheorie. In einer Studie mit 60 Teilnehmerinnen (2021–2023) zeigten sich Verbesserungen in Lebensstilfaktoren.
  • Kyriazakos et al. überprüften 28 Studien zu Software als Medizinprodukt (SaMD) und mHealth in der Fernüberwachung und digitalen Therapeutika, die Potenziale für die Behandlung chronischer Erkrankungen aufzeigen.

Weitere Beiträge befassen sich mit der Bewertung von Online-Apotheken-Apps in Indien (Sattar et al.), ADHD-Management-Apps (Hosseinnia et al.), dem Einfluss von Ärzten in sozialen Medien auf Patientenadhärenz (Sun et al.), der Qualität von Hitzeerschöpfungs-Videos auf TikTok (Qui und Zhou), der Nutzung digitaler Gesundheitsressourcen (Fei et al.) und mobiler medizinischer Apps (Meng und Guo).

Zudem werden Themen wie Informationsüberlastung in mHealth-Apps (Zhong et al.), Telemedizin bei Typ-2-Diabetes (Liu et al.), Usability von Bildungswebsites für Diabetiker in Mexiko (Ortíz et al.), Online-Nachsorgedienste in China (Han und Li), einer App für Schwangere in Nigeria (Babatunde et al.), computervisionsbasierter Selbsttests für Kniearthrose-Patienten (Zhao et al.) und Verhaltensdaten von Krebskranken während der COVID-19-Pandemie (Kasputyt? et al.) behandelt.

Trotz der Erfolge weist Wiil auf Grenzen hin: Zukünftige Studien sollten Nutzerbeteiligung stärken, Usability rigoros testen und Effekte umfassend bewerten – etwa durch Health Technology Assessments, die medizinische, soziale, wirtschaftliche, ethische und rechtliche Aspekte berücksichtigen. „Wir hoffen auf einen verstärkten Fokus, um mobile Gesundheitstechnologien in die reale klinische Praxis zu bringen und ihr Potenzial zur Verbesserung von Gesundheitsergebnissen und Lebensqualität voll auszuschöpfen“, so Wiil.

Das Editorial ist Teil der Sektion „Medtech Data Analytics“ und wurde am 7. Juli 2025 veröffentlicht. Es unterstreicht die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes, der Patienten, Mediziner und Behörden einbezieht. Experten sehen in mHealth eine Möglichkeit, die Belastung durch chronische Erkrankungen zu reduzieren und den Zugang zu Versorgung in ressourcenarmen Regionen zu erleichtern.

Für weitere Informationen: Frontiers in Medical Technology, https://www.frontiersin.org.