Eine bahnbrechende Studie hat gezeigt, dass fast die Hälfte der Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs, die nach Scans krebsfrei wirken, dennoch verborgene Krebszellen im Körper tragen. Forscher der Organisation Break Through Cancer haben mit minimalinvasiven Methoden wie Laparoskopien und Bluttests neue Erkenntnisse gewonnen, die zu gezielteren Therapien und früheren Interventionen führen könnten. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Clinical Cancer Research“, werfen ein neues Licht auf die hartnäckige Rezidivrate bei dieser Krebsart.
Die Überlebensraten bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs sind seit über vier Jahrzehnten unverändert geblieben, da die Erkrankung in vier von fünf Fällen wiederkehrt. Trotz guter Ansprache auf anfängliche Operationen und Chemotherapien kehrt der Krebs häufig zurück. Die neue Studie, geleitet vom „Targeting Minimal Residual Disease (MRD) in Ovarian Cancer TeamLab“ von Break Through Cancer, untersuchte dies genauer. Beteiligt waren renommierte Institutionen wie das University of Texas MD Anderson Cancer Center, das Dana-Farber Cancer Institute, das Memorial Sloan Kettering Cancer Center, das Sidney Kimmel Comprehensive Cancer Center an der Johns Hopkins University und das Koch Institute for Integrative Cancer Research am MIT.
Unter Verwendung einer minimalinvasiven Technik namens „Second-Look-Laparoskopie“ (SLL) und experimenteller Bluttests, die Krebszell-DNA messen, entdeckten die Forscher, dass 42 Prozent der Patientinnen, die auf Bildgebungsverfahren wie Scans keine Krebszeichen zeigten, dennoch minimale residuale Erkrankung (MRD) aufwiesen. Diese verborgenen Krebszellen wären mit herkömmlichen Tests übersehen worden. „Diese Arbeit zeigt, dass das, was wir auf einem Scan sehen, nicht immer die ganze Geschichte erzählt“, erklärte Dr. Amir Jazaeri, Mitautor der Studie und Professor für gynäkologische Onkologie am MD Anderson Cancer Center. „Mit SLL konnten wir Krankheiten aufdecken, die sonst unsichtbar geblieben wären, und vor allem untersuchen, wie man sie gezielt bekämpfen kann.“
Die Forscher analysierten die MRD-Proben mit fortschrittlichen Methoden wie spatialer Transkriptomik und Proteomik. Dabei identifizierten sie spezifische medikamentöse Angriffspunkte sowie biologische Merkmale wie Hypoxie-Signaling, Immunflucht und epithelial-mesenchymale Transition. Diese Faktoren erklären möglicherweise, warum einige Krebszellen die Behandlung überleben, und deuten auf neue Medikamentenkombinationen hin, die speziell gegen MRD wirken könnten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie war die Nutzung von zirkulierendem Tumor-DNA (ctDNA) – Fragmenten von Krebs-DNA im Blut – als nicht-invasive Methode zur MRD-Erkennung. Die Ergebnisse sind vielversprechend: ctDNA konnte hochrisikopatientinnen identifizieren und ermöglicht eine langfristige Überwachung der Erkrankung ohne chirurgische Eingriffe. Mit weiterer Entwicklung könnte dieser Bluttest zu einem leistungsstarken Werkzeug für personalisierte Behandlungen werden und Rezidive frühzeitig erkennen.
Die Studie ist Teil eines breiteren Forschungsprogramms des TeamLabs, das sich auf das Verständnis und die Bekämpfung residualer Eierstockkrebszellen konzentriert. Eine laufende klinische Studie, finanziert von Break Through Cancer, nutzt MRD-Erkennung durch SLL als primäres Endpunkt, um eine neuartige Immuntherapie zu bewerten. „Die Verwendung von MRD bietet zwei entscheidende Vorteile gegenüber aktuellen Ansätzen bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs“, betonte Dr. Jazaeri. „Erstens zeigt sie frühzeitig, ob eine Behandlung wirkt, was schnellere, kleinere Studien und einen raschen Zugang zu neuen Therapien ermöglicht. Zweitens können wir durch die Untersuchung der MRD-Biologie Schwachstellen des Eierstockkrebses aufdecken und effektivere, potenziell heilende Behandlungen entwickeln.“
Die Erkenntnisse passen in die umfassendere Initiative von Break Through Cancer, MRD bei verschiedenen Krebsarten wie akuter myeloischer Leukämie und ALK-positivem Lungenkrebs zu untersuchen und zu bekämpfen. „Das ist genau die Art von kollaborativer, ambitionierter Wissenschaft, die Break Through Cancer beschleunigen möchte“, sagte Tyler Jacks, Präsident der Organisation. „Diese Ergebnisse beantworten nicht nur langjährige Fragen, sondern öffnen die Tür zu intelligenteren Studien, einem besseren Verständnis der Rezidivursachen und der Verhinderung von Rückfällen.“
Break Through Cancer wurde 2021 gegründet und fördert radikale Zusammenarbeiten zwischen führenden Krebsforschungseinrichtungen, darunter die Gründungspartner Dana-Farber Cancer Institute, Sidney Kimmel Comprehensive Cancer Center an der Johns Hopkins, Memorial Sloan Kettering Cancer Center, Koch Institute am MIT und MD Anderson Cancer Center. Die Stiftung wird von einem Direktorium aus Vertretern der Partnerinstitutionen und einem wissenschaftlichen Beirat aus US-amerikanischen Krebs-Experten unterstützt. Sie startete mit einer Spende von 250 Millionen US-Dollar von der Familie Goodwin.
Durch die Kombination tiefer biologischer Erkenntnisse mit neuen Messmethoden strebt das TeamLab an, die Erforschung und Behandlung von Eierstockkrebs grundlegend zu verändern. Experten hoffen, dass diese Ansätze zu höheren Heilungsraten führen und die Stagnation in der Therapie durchbrechen werden.
