EDITORIAL. Die jüngste Eskalation der US-Zollpolitik unter Präsident Donald Trump bedroht die globale Wirtschaft mit einem Handelskrieg, der Lieferketten zerstört, Arbeitsplätze gefährdet und die Lebenshaltungskosten weltweit in die Höhe treibt. Trumps Ankündigung, ab August 2025 Importe aus der Europäischen Union (EU) mit 30-prozentigen Zöllen zu belegen – obwohl kürzlich ein Kompromiss von 15 Prozent vereinbart wurde – zeigt, dass seine Politik nicht nur protektionistisch, sondern erratisch und destabilisierend ist. Um diesen Zolltarif-Wahn zu beenden, muss die Welt geschlossen handeln. Insbesondere die EU und die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) haben die wirtschaftliche und geopolitische Schlagkraft, die USA unter Druck zu setzen. Nur durch koordinierte Maßnahmen kann die globale Handelsordnung gerettet und ein Präzedenzfall geschaffen werden, der künftige einseitige Aggressionen verhindert.
Warum Trumps Zolltarife die Welt bedrohen
Trumps Zollpolitik ist kein isoliertes Phänomen, sondern Teil einer „America First“-Strategie, die darauf abzielt, Handelsdefizite durch Strafzölle zu korrigieren und die US-Wirtschaft abzukapseln. Seit April 2025 erheben die USA einen Basissatz von 10 Prozent auf fast alle Importe, mit Sonderzöllen von bis zu 50 Prozent auf Stahl und Aluminium. Die Drohung mit 30-prozentigen Zöllen auf EU-Waren hätte laut Commerzbank der deutschen Wirtschaft allein einen Schaden von 0,7 Prozent des BIP zugefügt. Global gesehen könnten Zölle in dieser Höhe das weltweite BIP um 1,3 Prozent senken, wie Capital Economics berechnet.
Diese Politik schadet nicht nur Handelspartnern, sondern auch den USA selbst. Höhere Importzölle treiben die Preise für Verbraucher, belasten US-Unternehmen, die auf europäische Maschinen oder chinesische Komponenten angewiesen sind, und riskieren Rezessionen in Partnerländern wie Kanada und Mexiko. Dennoch setzt Trump auf Zölle, um innenpolitisch Einnahmen zu generieren und sein Haushaltsdefizit zu finanzieren – ein kurzfristiger Ansatz, der langfristig globale Lieferketten zerstören könnte.
Die Welt kann es sich nicht leisten, diesen Kurs hinzunehmen. Die EU, als eine der größten Wirtschaftsmächte, und die BRICS-Staaten, die zusammen über 40 Prozent der Weltbevölkerung und ein Viertel des globalen BIP repräsentieren, müssen jetzt handeln, um Trump zu zwingen, seine Politik zu überdenken.
Gründe für eine EU-BRICS-Koalition
Die EU und BRICS haben unterschiedliche Interessen, aber ein gemeinsames Ziel: die Abwehr protektionistischer Angriffe, die den multilateralen Handel bedrohen. Die EU ist wirtschaftlich stark von den USA abhängig, exportierte 2024 Waren und Dienstleistungen im Wert von 866 Milliarden Euro in die USA, hat aber auch Druckmittel wie den Zugang zu ihrem 450-Millionen-Verbrauchermarkt. Die BRICS-Staaten, insbesondere China und Indien, sind weniger auf die USA angewiesen und bauen alternative Handels- und Finanzsysteme auf, die sie resilienter machen. Eine Koalition dieser Blöcke könnte die USA wirtschaftlich und geopolitisch isolieren, indem sie zeigt, dass einseitige Maßnahmen nicht toleriert werden.
Ein weiterer Grund für die Zusammenarbeit ist die Schwäche der EU allein. Die jüngste Einigung mit den USA – 15 Prozent Zölle statt 30 Prozent – wurde als „Schadensbegrenzung“ akzeptiert, teilweise weil Europa militärisch und energetisch von den USA abhängig ist. Eine Allianz mit BRICS könnte diese Abhängigkeit ausgleichen, indem sie alternative Energielieferungen (z. B. russisches Gas oder indische Rohstoffe) und neue Märkte erschließt. Zudem teilen beide Blöcke die Sorge, dass Trumps Zölle nicht das Ende sind: Drohungen gegen BRICS mit zusätzlichen 10 Prozent Zöllen zeigen, dass niemand sicher ist.
Konkrete Maßnahmen zur Druckausübung
Um Trumps Zolltarife zu stoppen, müssen EU und BRICS koordiniert und entschlossen vorgehen. Hier sind konkrete Strategien:
- Koordinierte Gegenzölle:
- Die EU hat bereits Gegenzölle auf US-Produkte im Wert von 93 Milliarden Euro vorbereitet, darunter Jeans, Motorräder und Agrarprodukte. Diese sollten umgehend aktiviert werden, wenn Trump die Zölle weiter erhöht. BRICS-Staaten wie China haben bereits Gegenzölle von bis zu 125 Prozent auf US-Waren eingeführt und könnten diese ausweiten. Eine gemeinsame Zollliste, die US-Exporte wie Technologie, Agrarprodukte und Flugzeuge trifft, würde die US-Wirtschaft spürbar belasten.
- Ziel: US-Unternehmen wie Boeing oder John Deere unter Druck setzen, damit sie intern gegen Trumps Politik lobbyieren.
- Regulierung von US-Tech-Konzernen:
- Die EU könnte ihre Wettbewerbs- und Datenschutzregeln verschärfen, um Konzerne wie Apple, Google und Meta zu treffen, die in Europa kaum Steuern zahlen. Ökonom Marcel Fratzscher betont, dass eine Digitalsteuer ein mächtiger Hebel wäre. BRICS-Staaten wie Indien und China könnten ähnliche Maßnahmen ergreifen, etwa durch Steuern auf digitale Dienstleistungen oder Beschränkungen für US-Plattformen.
- Ziel: Die einflussreiche US-Tech-Branche zum Handeln zwingen, da sie von globalen Märkten abhängig ist.
- Alternative Handels- und Finanzsysteme:
- BRICS-Staaten arbeiten an Alternativen zum US-dominierten SWIFT-System und fördern den Handel in lokalen Währungen, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Die EU könnte sich dieser Bewegung anschließen, etwa durch verstärkte Zusammenarbeit mit China oder Indien, um Handelsabkommen ohne US-Beteiligung zu schließen. Ein X-Post schlägt vor, die EU könnte BRICS-Märkte als Alternative zu verzollten US-Märkten nutzen.
- Ziel: Die USA wirtschaftlich isolieren und ihre globale Finanzmacht schwächen.
- Geopolitische Druckmittel:
- Die EU könnte ihre militärische Abhängigkeit von den USA durch engere Zusammenarbeit mit BRICS-Staaten wie Indien (Waffenproduktion) oder China (Technologie) verringern. Gleichzeitig könnten BRICS-Staaten wie Russland ihre Energielieferungen nach Europa ausbauen, um die US-LNG-Importe (750 Milliarden Dollar bis 2028) zu kontern, die Teil des Deals sind.
- Ziel: Trump zeigen, dass die EU nicht erpressbar ist, indem sie ihre strategische Autonomie stärkt.
- Diplomatische Koordination:
- EU und BRICS sollten eine gemeinsame Plattform schaffen, um Handelsstrategien abzustimmen. Brasilien, das kürzlich Unterstützung von EU und Kanada gegen Trumps Zölle erhielt, könnte als Vermittler fungieren. Gemeinsame Verhandlungen mit den USA, unterstützt von anderen Partnern wie Japan oder Südkorea, könnten Trump zwingen, seine Drohungen zurückzunehmen.
- Ziel: Eine globale Front gegen einseitigen Protektionismus bilden.
Herausforderungen und Risiken
Die Zusammenarbeit zwischen EU und BRICS ist nicht ohne Hürden. Die EU ist geopolitisch den USA näher und hat Vorbehalte gegenüber Russland und China. BRICS-Staaten wiederum verfolgen unterschiedliche Interessen, etwa Chinas Fokus auf Asien oder Indiens neutrale Haltung. Zudem könnten Gegenzölle zu einer Spirale der Eskalation führen, die alle Seiten schädigt. Dennoch überwiegen die Vorteile einer Koalition: Ohne Gegenwehr wird Trump seine Politik fortsetzen, weitere Branchen ins Visier nehmen und die globale Handelsordnung dauerhaft destabilisieren.
Ein Aufruf zur globalen Einheit
Die Welt steht an einem Scheideweg. Trumps Zolltarife sind nicht nur ein wirtschaftlicher Angriff, sondern ein Angriff auf die Prinzipien des freien Handels und der multilateralen Zusammenarbeit. Die EU und BRICS haben die Mittel, diesen Wahn zu stoppen – durch gezielte Gegenzölle, Regulierung von US-Konzernen, alternative Handelsstrukturen und geopolitische Emanzipation. Jetzt ist die Zeit für Mut und Einigkeit. Wenn die Welt geschlossen handelt, kann sie Trump zwingen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und eine faire Handelsordnung zu schaffen, die allen nutzt. Scheitern wir, droht eine Ära der Fragmentierung, in der niemand gewinnt.
