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Kindesmisshandlung beeinträchtigt Körperwahrnehmung: Neue Erkenntnisse aus Dresden und Berlin

Ein Forschungsteam der TU Dresden und der FU Berlin hat in einer Meta-Analyse den Zusammenhang zwischen Kindesmisshandlung und der inneren Körperwahrnehmung, auch Interozeption genannt, untersucht. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature Mental Health, zeigen, dass emotionale Misshandlung und Vernachlässigung in der Kindheit das Vertrauen in die eigene Körperwahrnehmung erheblich mindern, was weitreichende Folgen für die psychische Gesundheit haben kann.

Interozeption beschreibt die Fähigkeit, innere Signale wie Herzschlag, Atmung oder Magenaktivität wahrzunehmen und zu interpretieren. Sie ist entscheidend für Emotionsregulation, Stressbewältigung und körperliches Wohlbefinden, doch ihre Entstehung und Bedeutung sind wissenschaftlich noch wenig verstanden. Die Analyse umfasste 17 Studien mit 3.705 Teilnehmern und fand keinen einheitlichen Zusammenhang zwischen Kindesmisshandlung und veränderter Interozeption. Allerdings zeigte sich, dass Betroffene, insbesondere von emotionaler Misshandlung und Vernachlässigung, weniger Vertrauen in ihre Körperwahrnehmung haben. Dies kann die Emotionsregulation, die Wahrnehmung eigener Bedürfnisse und die Stressverarbeitung beeinträchtigen, was das Risiko für psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder Essstörungen erhöht.

Emotionale Misshandlung und Vernachlässigung sind weniger sichtbar als körperlicher oder sexueller Missbrauch, erhalten aber oft zu wenig Aufmerksamkeit. Die Studie betont die Notwendigkeit, diese Formen der Kindesmisshandlung stärker in den Fokus zu rücken, um präventive Maßnahmen zu verbessern. Das Forschungsteam führt derzeit eine weitere Studie mit Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren durch, um den Zusammenhang zwischen Kindesmisshandlung und Interozeption weiter zu vertiefen. Die Ergebnisse könnten helfen, gezielte Ansätze für den Schutz und die Unterstützung betroffener Kinder zu entwickeln, um langfristige psychische Folgen zu vermeiden.


Originalpublikation:
Ditzer, J., Woll, C. F. J., Burger, C., Ernst, A., Boehm, I., Garthus-Niegel, S., & Zietlow, A.-L. (2025). Childhood maltreatment and interoception: A meta-analytic review. Nature Mental Health. DOI: https://www.nature.com/articles/s44220-025-00456-w