Oslo, 3. Juli 2025 – Eine bahnbrechende Studie der Universität Oslo, veröffentlicht in Aging-US, zeigt, dass das Molekül NAD+ eine Schlüsselrolle im Alterungsprozess spielt und als potenzielle Behandlung für das Werner-Syndrom, eine seltene Krankheit mit beschleunigter Alterung, dienen könnte. Die Forschung eröffnet zudem Perspektiven für das Verständnis des normalen Alterns.
„Das Werner-Syndrom führt dazu, dass Betroffene schneller altern. Bereits in ihren 20ern und 30ern entwickeln sie graue Haare, Falten und altersbedingte Krankheiten“, erklärt Dr. Sofie Lautrup, Postdoktorandin an der Universität Oslo. Die Studie zeigt erstmals, dass Patienten mit Werner-Syndrom niedrigere NAD+-Werte in ihren Mitochondrien haben, was die Zellfunktion beeinträchtigt. „Ein Mangel an NAD+ stört die Energieproduktion und DNA-Reparatur in den Zellen“, sagt Lautrup.
Experimente ergaben, dass die Zufuhr von NAD+ die Zellfunktion wiederherstellen kann. „Wir stellten fest, dass NAD+ das Stammzellwachstum stimuliert und die vorzeitige Alterung in Haut- und Stammzellen von Patienten hemmt“, berichtet Lautrup. Innerhalb von 24 Stunden nach der NAD+-Behandlung wurden proliferationsfördernde Signalwege aktiviert und seneszenzfördernde herunterreguliert, wodurch die Zellen wieder wie gesunde Zellen funktionierten.
Ein Hauptmerkmal des Werner-Syndroms ist die vorzeitige Zell-Seneszenz, bei der Zellen in einen „Zombie-Zustand“ übergehen: „Sie sind weder tot noch lebendig und können ihre Funktionen nicht erfüllen“, erklärt Lautrup. NAD+ reduzierte die Anzahl solcher Zombiezellen und verlangsamte diesen Prozess. Studien an Fruchtfliegen mit Werner-Syndrom-Modellen zeigten zudem, dass NAD+ die Stammzellvermehrung und mitochondriale Funktion verbesserte, was die Lebensspanne verlängerte.
Die Forschung, unterstützt von NordForsk und Partneruniversitäten in Hongkong, Japan und Bergen, hat klinische Studien in Japan angestoßen. „Wir hoffen, dass unsere Erkenntnisse neue Behandlungen nicht nur für das Werner-Syndrom, sondern auch für altersbedingte Krankheiten ermöglichen“, sagt Lautrup. Ob NAD+ die natürliche Alterung verlangsamen kann, bleibt offen, doch die Ergebnisse wecken Optimismus für zukünftige Ansätze zur Förderung von Gesundheit und Langlebigkeit.
https://doi.org/10.18632/aging.206236
