Eine neue Studie in Frontiers in Toxicology zeigt, wie dringend notwendig es ist, die routinemäßigen Tests nach Verkehrsunfällen auf neue Drogen auszuweiten. Es handelt sich um die erste umfassende Untersuchung, die den Beitrag einer breiten Palette sogenannter „neuer psychoaktiver Substanzen“ zu US-amerikanischen Verkehrsunfällen untersucht.
„Hier zeigen wir, dass neue psychoaktive Substanzen (NPS), eine Drogengruppe, deren Verbreitung in den letzten 15 Jahren rapide zugenommen hat, bei Verkehrsunfällen eine Rolle spielen“, sagte Dr. Roy Gerona, einer der korrespondierenden Autoren der Studie und außerordentlicher Professor an der University of California in San Francisco.
NPS, umgangssprachlich auch als „Designerdrogen“, „Legal Highs“, „Kräuterrauschgifte“ und „Badesalze“ bekannt, sind Drogen, die nicht unter das Einheitsübereinkommen der Vereinten Nationen über Suchtstoffe von 1961 oder das Übereinkommen über psychotrope Stoffe von 1971 fallen, von Experten jedoch als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Beispiele sind Designer-Benzodiazepine, synthetische Cathinone und Cannabinoide, Piperazine und Tryptamine. Das volle Spektrum ihrer Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit ist noch wenig erforscht; sie können jedoch Unruhe, Psychosen, Aggression und Abhängigkeit umfassen. NPS tragen zudem zur verheerenden Opioidkrise in den USA bei, da sie Fentanylvorräte verunreinigen und so zu einer additiven Toxizität führen können oder von Dealern anstelle von Fentanyl verkauft werden.
Unter dem Radar fliegen
Die meisten bestehenden Urin-Drogentests zielen nicht auf NPS ab, da diese normalerweise nur durch teure hochauflösende Massenspektrometrie (HRMS) in spezialisierten Labors nachweisbar sind.
Hier untersuchten Gerona und Kollegen die Prävalenz von NPS im Blut von Verkehrsunfallopfern in Nord- und Südkalifornien zwischen Januar und Juli 2024. Sie konzentrierten sich auf die ersten 1.000 erwachsenen Verkehrsunfallopfer, die in diesem Zeitraum eines von zwei repräsentativen Traumazentren in Los Angeles und Sacramento aufsuchten und denen im Rahmen der routinemäßigen Notfallversorgung Blut abgenommen wurde.
Mittels HRMS bestätigten sie das Vorhandensein von NPS im Blut von 17 Patienten (2 %). Darunter war Bromazolam am häufigsten (sieben Patienten), gefolgt von Para-Fluorofentanyl (vier Patienten) und Mitragynin (drei Patienten). Acetylfentanyl, N-Methylnorfentanyl, Protonitazen, Etizolam und Xylazin wurden jeweils nur einmal nachgewiesen.
„Die in unseren ersten 1.000 Fällen festgestellten NPS-Typen spiegeln die vorherrschenden NPS-Typen wider, die in landesweiten Überwachungsstudien festgestellt wurden. Dabei überwiegen Beruhigungsmittel des zentralen Nervensystems wie Designer-Benzodiazepine und Fentanyl-Analoga“, fasste Gerona zusammen.
Ein gemischtes Bild
Die Ergebnisse zeigten auch, dass Konsumenten NPS häufig mit anderen Drogen mischen. Bis auf zwei waren alle der 17 Patienten mit NPS im Blut auch positiv auf mindestens eine traditionelle Freizeitdroge getestet worden. Neun hatten ein sedierendes NPS zusammen mit einem Stimulans wie Kokain oder Methamphetamin eingenommen, während elf NPS mit traditionellen Opioiden kombiniert hatten. Weitere 273 (27 %) Patienten wurden positiv auf traditionelle Freizeitdrogen getestet, jedoch nicht auf NPS.
