Die deutsche Medizintechnikbranche verzeichnet zu Jahresbeginn 2025 ein moderates Wachstum. Laut dem Statistischen Bundesamt stieg der Umsatz im ersten Quartal nominal um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach einem verhaltenen 2024, in dem die über 1.500 Unternehmen einen Gesamtumsatz von 41,4 Milliarden Euro (+2,5 %) erzielten, behauptet sich die Branche trotz wirtschaftlicher Herausforderungen. Der Inlandsumsatz wuchs um 1,7 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro, das Auslandsgeschäft um 2,9 Prozent auf 28,2 Milliarden Euro, bei einer stabilen Exportquote von 68 Prozent. Die Beschäftigtenzahl stieg um 2,8 Prozent auf etwa 166.000.
Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender des SPECTARIS-Fachverbands Medizintechnik, sieht die Entwicklung zwiespältig. Investitionsstau im Gesundheitswesen, hohe Kosten und bürokratischer Aufwand belasten die Branche, besonders im Inland. Die finanzielle Lage von Kliniken führt zu verschobenen Anschaffungen moderner Technologien. Zudem erschweren die europäische Medizinprodukteverordnung und geplante PFAS-Beschränkungen die Produktion, da Lieferkettenprobleme drohen.
Trotz Herausforderungen bleiben internationale Märkte ein Hoffnungsträger. 2024 stiegen Exporte in die EU um vier Prozent, auch das Geschäft mit den USA wuchs leicht, während der Handel mit China um 14 Prozent zurückging. Geopolitische Spannungen, insbesondere zwischen den USA und China, bereiten Sorgen. Dennoch treiben der demografische Wandel, technologische Fortschritte wie KI und Robotik sowie die Digitalisierung die Branche voran.
Die Innovationskraft bleibt stark: Mit 1.487 Patentanmeldungen 2024 belegt Deutschland europaweit Platz zwei. Leonhard begrüßt die Anerkennung der Medizintechnik als Leitindustrie im Koalitionsvertrag, fordert jedoch schnellere politische Maßnahmen, um innovationsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Branche, die 93 Prozent KMU umfasst, investiert rund neun Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung und beschäftigt insgesamt etwa 212.100 Menschen, die eine Bruttowertschöpfung von 19,7 Milliarden Euro erwirtschaften.
