Indianapolis/Boston, 18. Juni 2025 – Der US-amerikanische Pharmakonzern Eli Lilly hat die Übernahme von Verve Therapeutics, einem auf Gen-Editing spezialisierten Biotechnologieunternehmen, für bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar angekündigt. Ziel der Akquisition ist die Weiterentwicklung von einmaligen Gen-Editing-Therapien zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere zur Senkung des Cholesterinspiegels bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko. Die Transaktion, die im dritten Quartal 2025 abgeschlossen werden soll, umfasst eine Barzahlung von 1 Milliarde US-Dollar sowie zusätzliche potenzielle Zahlungen von bis zu 3 US-Dollar pro Aktie in Form eines Contingent Value Right (CVR).
Strategische Erweiterung des Portfolios
Verve Therapeutics, ein in Boston ansässiges Unternehmen, entwickelt Gen-Editing-Therapien, die mit einer einmaligen Anwendung lebenslang das Risiko für arteriosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ASCVD) senken sollen. Die Therapien zielen auf Gene wie PCSK9, ANGPTL3 und LPA ab, die den Cholesterinspiegel und damit das Herzinfarktrisiko beeinflussen. Besonders das Programm VERVE-102, das sich in Phase-1-Studien befindet, zeigte vielversprechende Ergebnisse zur Senkung des Cholesterinspiegels ohne schwerwiegende Nebenwirkungen.
Eli Lilly und Verve arbeiten seit 2023 zusammen, als Lilly für 60 Millionen US-Dollar eine Kooperation für ein präklinisches kardiovaskuläres Gen-Editing-Programm einging. Später erwarb Lilly für 250 Millionen US-Dollar von Beam Therapeutics die Rechte an Verves Programmen zu PCSK9 und ANGPTL3. Die vollständige Übernahme ermöglicht Lilly nun, die Entwicklung und Kommerzialisierung dieser innovativen Therapien vollständig zu kontrollieren.
„VERVE-102 hat das Potenzial, die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen von einer chronischen Therapie hin zu einer einmaligen Lösung zu revolutionieren“, erklärte Ruth Gimeno, Vice President für Diabetes und metabolische Forschung bei Lilly. Die Akquisition passe perfekt zu Lillys Expertise in kardiometabolischen Erkrankungen, die auch die Blockbuster-Medikamente für Diabetes und Gewichtsreduktion wie Mounjaro und Zepbound umfasst.
Finanzielle Details und Marktreaktion
Lilly bietet 10,50 US-Dollar pro Verve-Aktie in bar, was einem Aufschlag von 67,5 Prozent auf den letzten Schlusskurs entspricht. Zusätzlich können Aktionäre durch den CVR bis zu 3 US-Dollar pro Aktie erhalten, abhängig von der Erreichung eines Meilensteins: der Dosierung des ersten US-Phase-3-Patienten mit VERVE-102 innerhalb von zehn Jahren. Der Gesamtwert der Transaktion entspricht einem Aufschlag von 115 Prozent auf den 30-Tage-Durchschnittskurs von Verve.
Die Ankündigung führte zu einem Kurssprung der Verve-Aktie um 76 Prozent auf 11,03 US-Dollar im vorbörslichen Handel, während die Lilly-Aktie leicht um 1,5 Prozent nachgab. Analysten bezeichneten den Deal als „Schnäppchen“ für Lilly, da Verve trotz seines Potenzials in einem schwierigen Marktumfeld für Gen-Editing-Unternehmen agierte, das derzeit von Investoren skeptisch betrachtet wird.
„Die Übernahme ist ein Gewinn für Verve und andere Akteure im Gen-Editing-Sektor“, erklärte Kevin Gade, COO von Bahl & Gaynor. Sie signalisiere zudem ein wiedererstarktes Interesse an Gen-Editing-Technologien, da Lillys finanzielle Stärke und globale Ressourcen die Entwicklung von Verves Pipeline beschleunigen könnten.
Bedeutung für die Zukunft
Die Akquisition ist Lillys dritte größere Übernahme im Jahr 2025, nach der 2,5-Milliarden-Dollar-Übernahme eines Krebsmedikaments von Scorpion Therapeutics und der 1-Milliarden-Dollar-Akquisition von SiteOne Therapeutics für ein Schmerzmittel. Getrieben durch die Einnahmen aus seinen GLP-1-Medikamenten, investiert Lilly massiv in innovative Therapieansätze, um sein Portfolio über Diabetes und Gewichtsreduktion hinaus zu diversifizieren.
Sekar Kathiresan, CEO von Verve, zeigte sich optimistisch: „In nur sieben Jahren haben wir drei Gen-Editing-Produkte entwickelt, von denen zwei in der Klinik sind. Mit Lillys globalen Kapazitäten können wir unsere Vision, die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu transformieren, schneller verwirklichen.“
Die Übernahme unterliegt üblichen Abschlussbedingungen, einschließlich regulatorischer Genehmigungen. Verve-Insider, darunter Kathiresan, haben sich verpflichtet, ihre Anteile, die rund 18 Prozent des Unternehmens ausmachen, anzudienen. Die Transaktionsdokumente werden auf Lillys Investorenseite (investor.lilly.com) veröffentlicht.
Ein Schritt in die Zukunft der Medizin
Die Übernahme von Verve unterstreicht den wachsenden Fokus auf personalisierte Medizin und Gen-Editing-Technologien. Mit dem Potenzial, chronische Behandlungen durch einmalige Therapien zu ersetzen, könnte Lilly einen Paradigmenwechsel in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einleiten. Der Markt beobachtet gespannt, wie dieser Deal die Landschaft der kardiovaskulären Therapien und das Interesse an Gen-Editing weiter prägen wird.
