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BlackRock und Investitionen in militärische Forschungsprojekte: Ein detaillierter Überblick

New York, 7. Juni 2025 – BlackRock, der weltweit größte Vermögensverwalter mit über 10 Billionen US-Dollar an verwalteten Vermögenswerten (Stand 2024), steht regelmäßig im Fokus der öffentlichen Debatte. Besondere Aufmerksamkeit erhält das Unternehmen aufgrund seiner Investitionen in Sektoren, die mit militärischer Forschung und Entwicklung (F&E) in Verbindung stehen. Dieser Bericht beleuchtet BlackRocks Engagement in der Rüstungsindustrie, insbesondere in Unternehmen, die militärische Forschungsprojekte vorantreiben, und stützt sich auf verifizierte Quellen, offizielle Daten und peer-reviewte Studien. Ziel ist es, ein umfassendes Bild der Investitionen, ihrer Auswirkungen und der damit verbundenen Kontroversen zu zeichnen.

BlackRocks Rolle in der globalen Finanzwelt

Gegründet 1988 in New York, hat sich BlackRock unter der Leitung von CEO Larry Fink zu einem Giganten der Finanzbranche entwickelt. Das Unternehmen verwaltet Vermögen für institutionelle Investoren, Pensionsfonds, Regierungen und Privatpersonen. Seine Investmentstrategien umfassen Aktien, Anleihen, Immobilien und alternative Anlagen. BlackRock ist bekannt für seine passiven Investmentfonds, insbesondere die iShares-ETFs, die oft breite Marktindizes abbilden. Diese Fonds ermöglichen es BlackRock, in Tausende von Unternehmen weltweit investiert zu sein, darunter auch in die Rüstungsindustrie.

Die schiere Größe von BlackRock – im Jahr 2021 verwaltete das Unternehmen Vermögen in Höhe von etwa 40 % des US-amerikanischen BIP – verleiht ihm erheblichen Einfluss. Laut einem Bericht der American Economic Liberties Project aus 2020 kontrollieren BlackRock, Vanguard und State Street zusammen über 15 Billionen US-Dollar, was sie zu zentralen Akteuren im globalen Finanzsystem macht. Dieser Einfluss führt jedoch auch zu Kritik, insbesondere wenn es um Investitionen in kontroverse Branchen wie die Rüstungsindustrie geht.

Investitionen in die Rüstungsindustrie: Ein Überblick

BlackRock hält Anteile an zahlreichen Unternehmen, die in der Rüstungsindustrie tätig sind, darunter führende US-amerikanische Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin, Boeing, Raytheon Technologies, General Dynamics und Northrop Grumman. Diese Unternehmen sind nicht nur Hersteller von Waffen und Verteidigungssystemen, sondern auch maßgeblich an militärischen Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt. Laut einem Bericht von Corporate Accountability aus 2022 hält BlackRock bedeutende Anteile an diesen Konzernen, darunter 6,4 % an Lockheed Martin, 5,2 % an Boeing, 6,6 % an Raytheon, 3,94 % an General Dynamics und 5,5 % an Northrop Grumman. Diese Beteiligungen repräsentieren Investitionen in Milliardenhöhe.

Die genannten Unternehmen sind zentrale Akteure im US-amerikanischen Verteidigungssektor. Im Jahr 2017 erhielten sie zusammen Pentagon-Verträge im Wert von über 100 Milliarden US-Dollar, wie der Arms and Security Project des Center for International Policy feststellte. Ein erheblicher Teil dieser Mittel fließt in F&E-Projekte, die neue Waffensysteme, Drohnentechnologien, Cyberkriegskapazitäten und künstliche Intelligenz (KI) für militärische Anwendungen entwickeln. Beispielsweise arbeitet Lockheed Martin an der Weiterentwicklung des F-35-Programms, das als eines der teuersten Waffensysteme der Geschichte gilt, mit geschätzten Gesamtkosten von über 428 Milliarden US-Dollar bis 2060 (Government Accountability Office, 2023).

Spezifische Forschungsprojekte und BlackRocks Beteiligung

Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Rüstungsunternehmen, an denen BlackRock beteiligt ist, konzentrieren sich auf mehrere Schlüsselbereiche:

  1. Künstliche Intelligenz und autonome Waffensysteme: Unternehmen wie Raytheon und Northrop Grumman investieren stark in KI-basierte Technologien für Drohnen und autonome Waffensysteme. Ein Bericht des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) von 2023 zeigt, dass die USA im Jahr 2022 etwa 12 Milliarden US-Dollar in KI-Forschung für militärische Zwecke investierten. BlackRocks Beteiligungen an diesen Unternehmen bedeuten, dass ein Teil der von BlackRock verwalteten Vermögenswerte indirekt in solche Projekte fließt.
  2. Hyperschallwaffen: Lockheed Martin und Raytheon sind führend in der Entwicklung von Hyperschallwaffen, die Geschwindigkeiten von über Mach 5 erreichen. Laut dem Congressional Research Service (2024) hat das US-Verteidigungsministerium für das Haushaltsjahr 2023 etwa 4,7 Milliarden US-Dollar für Hyperschallforschung bereitgestellt. BlackRocks Anteile an diesen Unternehmen machen es zu einem indirekten Profiteur dieser Entwicklungen.
  3. Cyberkrieg und Weltraumtechnologie: General Dynamics und Boeing sind an Projekten beteiligt, die Cyberkriegsfähigkeiten und weltraumgestützte Verteidigungssysteme entwickeln. Ein Bericht der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) von 2024 hebt hervor, dass die USA im Jahr 2023 rund 3,2 Milliarden US-Dollar in weltraumgestützte Forschungsprojekte investierten. BlackRocks Investitionen in diese Unternehmen unterstützen solche Vorhaben indirekt.
  4. Kernwaffenmodernisierung: Northrop Grumman ist maßgeblich am Ground Based Strategic Deterrent (GBSD)-Programm beteiligt, das die Modernisierung der US-amerikanischen Interkontinentalraketen zum Ziel hat. Laut Schätzungen des Congressional Budget Office (2023) belaufen sich die Kosten dieses Programms bis 2030 auf etwa 634 Milliarden US-Dollar. BlackRocks Beteiligung an Northrop Grumman macht es zu einem Akteur in diesem Bereich.

Kontroversen und Kritik

BlackRocks Investitionen in die Rüstungsindustrie sind nicht unumstritten. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, von Konflikten und militärischer Aufrüstung zu profitieren, während es sich gleichzeitig als Vorreiter in Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG) positioniert. Ein Bericht des Center for International Policy von 2018 betonte, dass BlackRocks Investitionen in Rüstungsunternehmen im Widerspruch zu seinen öffentlichen Aussagen über soziale Verantwortung stehen. Insbesondere die Finanzierung von Unternehmen, die an umstrittenen Waffensystemen wie dem F-35 oder Kernwaffen arbeiten, wird kritisch gesehen.

Darüber hinaus hat BlackRock Investitionen in Unternehmen getätigt, die in Verbindung mit Menschenrechtsverletzungen stehen. Ein Bericht des House Select Committee on the Chinese Communist Party (CCP) von 2024 warf BlackRock vor, über 6,5 Milliarden US-Dollar in chinesische Unternehmen investiert zu haben, die auf US-Sanktionslisten stehen und an militärischen Entwicklungen beteiligt sind, einschließlich solcher, die die Überwachung und Unterdrückung von Minderheiten wie den Uiguren unterstützen. BlackRock wies diese Vorwürfe zurück und betonte, dass es alle geltenden US-Gesetze einhalte.

Auch in den USA gibt es Kritik an BlackRocks Einfluss auf die Rüstungsindustrie. Laut einem Bericht von Corporate Accountability aus 2022 hält BlackRock Anteile an Unternehmen wie Axon Enterprise, das Polizeibehörden mit Tasern und Überwachungstechnologie beliefert. Diese Investitionen stehen im Widerspruch zu BlackRocks Bemühungen, sich als Unterstützer sozialer Gerechtigkeit zu präsentieren, insbesondere nach den Protesten gegen Polizeigewalt in den USA im Jahr 2020.

BlackRocks ESG-Engagement und Widersprüche

BlackRock hat in den letzten Jahren versucht, sein Image durch ein stärkeres Engagement in ESG-Themen zu verbessern. Im Jahr 2017 erweiterte das Unternehmen seine ESG-Abteilung und startete neue Fonds, die fossile Brennstoffe und Waffenhersteller ausschließen. Laut einem Bericht von BlackRock selbst hat das Unternehmen 2020 rund 500 Millionen US-Dollar an kohlebezogenen Vermögenswerten verkauft. Zudem führte BlackRock 2018 zwei „waffenfreie“ ETFs ein, die Aktien von Waffenherstellern und großen Waffenhändlern wie Walmart ausschließen.

Trotz dieser Initiativen bleibt die Kritik bestehen, dass BlackRocks ESG-Bemühungen nicht weit genug gehen. Eine Studie von IESE Business School aus 2022 zeigte, dass Unternehmen, die mit BlackRock-CEO Larry Fink über Klimaschutz sprachen, im folgenden Jahr ihre CO2-Emissionen reduzierten. Allerdings fiel BlackRocks Unterstützung für Aktionärsvorschläge zur Offenlegung von Klimarisiken von 25 % im Jahr 2019 auf 14 % im Jahr 2020, was Zweifel an der Konsistenz des Engagements weckt. Zudem stellte eine Analyse von As You Sow aus 2025 fest, dass BlackRocks „BlackRock Equity Dividend Fund“ über 4 % seines Portfolios in Rüstungsunternehmen investiert hat, was dem Fonds eine schlechte Bewertung in Bezug auf waffenbezogene Investitionen einbrachte.

Offizielle Daten und Transparenz

Die genauen Zahlen zu BlackRocks Investitionen in militärische Forschungsprojekte sind schwer zu ermitteln, da das Unternehmen keine detaillierten Angaben zu einzelnen Projekten veröffentlicht. Laut SEC-Berichten (Securities and Exchange Commission) von 2021 hält BlackRock über seine Fonds und ETFs Anteile an Tausenden von Unternehmen, darunter viele im Rüstungssektor. Die „BlackRock U.S. Aerospace and Defense“-Fonds, die speziell in die Verteidigungsindustrie investieren, hatten 2018 Vermögenswerte in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar, wie der Center for International Policy berichtete.

Offizielle Daten des US-Verteidigungsministeriums zeigen, dass die fünf größten Rüstungsunternehmen – Lockheed Martin, Boeing, Raytheon, General Dynamics und Northrop Grumman – im Haushaltsjahr 2023 zusammen Verträge im Wert von über 150 Milliarden US-Dollar erhielten. Ein erheblicher Teil dieser Mittel fließt in F&E, wobei die genauen Beträge je nach Projekt variieren. BlackRocks Beteiligungen an diesen Unternehmen machen es zu einem indirekten Begünstigten dieser Verträge.

Peer-Review-Studien und Analysen

Peer-reviewte Studien bieten weitere Einblicke in die Auswirkungen von BlackRocks Investitionen. Eine Studie im „Journal of Financial Economics“ aus 2019 untersuchte die Auswirkungen von „Common Ownership“ – der Tatsache, dass große Vermögensverwalter wie BlackRock Anteile an konkurrierenden Unternehmen halten. Die Studie fand heraus, dass dies zu einer Reduzierung des Wettbewerbs führen kann, was in der Rüstungsindustrie zu höheren Preisen für Waffensysteme führen könnte. BlackRock selbst bezeichnete diesen Mechanismus in einem Whitepaper als „vage und unplausibel“, erkannte ihn jedoch in seinem Jahresbericht 2019 als Risiko an.

Eine weitere Studie im „American Economic Review“ (2021) analysierte die Rolle großer Vermögensverwalter in der Unternehmensführung. Sie stellte fest, dass BlackRock als einer der größten Aktionäre in der Lage ist, die strategischen Entscheidungen von Unternehmen zu beeinflussen, einschließlich solcher in der Rüstungsindustrie. Dies wirft Fragen darüber auf, inwieweit BlackRock aktiv die Forschungs- und Entwicklungsstrategien von Unternehmen wie Lockheed Martin oder Raytheon beeinflusst.

Fazit

BlackRocks Investitionen in Unternehmen, die militärische Forschungsprojekte durchführen, sind umfangreich und vielschichtig. Mit Beteiligungen an führenden Rüstungskonzernen wie Lockheed Martin, Boeing, Raytheon, General Dynamics und Northrop Grumman ist BlackRock indirekt an der Entwicklung von Technologien beteiligt, die von KI-gestützten Drohnen bis hin zu Hyperschallwaffen und Kernwaffenmodernisierungen reichen. Offizielle Daten und Berichte bestätigen, dass diese Unternehmen Milliarden von US-Dollar an Pentagon-Verträgen erhalten, von denen ein erheblicher Teil in F&E fließt.

Die Kontroversen rund um BlackRocks Engagement in der Rüstungsindustrie verdeutlichen den Spagat, den das Unternehmen zwischen Profitmaximierung und sozialer Verantwortung vollführt. Während BlackRock durch ESG-Initiativen versucht, sein Image zu verbessern, bleibt die Kritik bestehen, dass seine Investitionen in die Rüstungsindustrie und andere kontroverse Sektoren diesen Bemühungen widersprechen. Peer-reviewte Studien und offizielle Berichte zeigen, dass BlackRocks Einfluss auf die Unternehmensführung und den Wettbewerb erheblich ist, was die Verantwortung des Unternehmens für die Auswirkungen seiner Investitionen unterstreicht.

Angesichts der Komplexität des Themas bleibt die Debatte über BlackRocks Rolle in der Rüstungsindustrie aktuell. Für Investoren, Politiker und die Öffentlichkeit bleibt die Frage, wie ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen Interessen und ethischen Überlegungen gefunden werden kann.


Quellen: House Select Committee on the CCP (2024), Corporate Accountability (2022), Center for International Policy (2018), SIPRI (2023), Congressional Research Service (2024), DARPA (2024), Congressional Budget Office (2023), IESE Business School (2022), As You Sow (2025), SEC-Berichte (2021), Journal of Financial Economics (2019), American Economic Review (2021).