Lungenkrebs ist die weltweit häufigste tödliche Krebserkrankung, mit jährlich etwa 2 Millionen Neuerkrankungen und 1,8 Millionen Todesfällen (WHO). Ein zentraler Fortschritt in der Therapie ist die Genom-Analyse von Tumoren, die gezielte, personalisierte Behandlungen ermöglicht. Am Lungenkrebszentrum des Westdeutschen Tumorzentrums der Universitätsmedizin Essen ist diese Diagnostik Standard. Besonders im Fokus steht die KRAS G12C-Mutation, eine genetische Veränderung, die bei etwa 13 % der nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome (NSCLC) auftritt, vor allem bei Raucher:innen.
Für Patient:innen mit metastasierten KRAS G12C-mutierten Tumoren, bei denen Chemo- und Immuntherapien nicht mehr wirken, bietet das Medikament Sotorasib neue Hoffnung. Sotorasib, ein gezielter Inhibitor, wurde in Studien, unter anderem an der Universitätsmedizin Essen, getestet und ist in Deutschland zugelassen. Doch die Wirksamkeit variiert stark: Während einige Patient:innen gut ansprechen, profitieren andere kaum.
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Martin Schuler (Universitätsklinikum Essen/Universität Duisburg-Essen) und Prof. Dr. Ferdinandos Skoulidis (MD Anderson Cancer Center, Houston) hat nun einen entscheidenden Biomarker identifiziert: das Gen TTF-1 (Thyroid Transcription Factor 1). In einer Analyse von Blut- und Gewebeproben von 429 Patient:innen, die in zwei klinischen Studien entweder mit Sotorasib oder der Standardchemotherapie Docetaxel behandelt wurden, zeigte sich, dass eine hohe TTF-1-Expression mit einem besseren Ansprechen auf Sotorasib korreliert. Die Ergebnisse wurden in Nature Medicine veröffentlicht.
„TTF-1 wird bereits routinemäßig bei der Lungenkrebsdiagnostik bestimmt und ist sofort als Biomarker nutzbar“, erklärt Prof. Schuler, Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung) und Sprecher des Standorts West des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT). „Patient:innen mit TTF-1-negativen Tumoren könnten von Chemotherapien oder neuen Kombinationstherapien stärker profitieren.“ Dieser Fortschritt ermöglicht präzisere Therapieentscheidungen, verbessert die Prognose bei fortgeschrittenem Lungenkrebs und unterstreicht die Bedeutung der translationalen Forschung. Die Entdeckung könnte auch den Weg für weitere zielgerichtete Therapien ebnen, da TTF-1 in etwa 70 % der Lungenadenokarzinome exprimiert wird.
