Washington, 25. Mai 2025 – Seit seiner Vereidigung als 26. Gesundheitsminister der Vereinigten Staaten (Secretary of Health and Human Services, HHS) am 13. Februar 2025 hat Robert F. Kennedy Jr. eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, die sowohl Aufmerksamkeit als auch Kontroversen ausgelöst haben. Seine Amtszeit ist geprägt von umfassenden Umstrukturierungen und einer Neuausrichtung der Prioritäten des Ministeriums, das mit einem Budget von rund zwei Billionen US-Dollar und etwa 80.000 Mitarbeitern die Gesundheitspolitik der USA maßgeblich gestaltet.
Umstrukturierung und Stellenabbau
Eine der ersten und weitreichendsten Maßnahmen Kennedys war die Kürzung von etwa 20.000 Arbeitsplätzen im HHS, davon 10.000 durch Entlassungen und weitere 10.000 durch freiwillige Frühverrentungen und Kündigungen. Diese Maßnahmen, die in Zusammenarbeit mit einem von Elon Musk geleiteten Spargremium entwickelt wurden, sollten laut Kennedy die Effizienz steigern und Doppelstrukturen beseitigen. Betroffen waren unter anderem die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die Food and Drug Administration (FDA) und die National Institutes of Health (NIH). Die Entlassungen führten zu Protesten, etwa vor dem CDC-Campus in Atlanta, und wurden von Fachleuten kritisiert, die eine Schwächung der Pandemiebekämpfung und öffentlichen Gesundheit befürchten. Kennedy kündigte an, 20 Prozent der entlassenen Mitarbeiter wieder einzustellen, da einige Kürzungen fehlerhaft gewesen seien. Laut einer Quelle aus dem Ministerium gibt es jedoch keine konkreten Pläne für eine derart umfassende Wiedereinstellung.
Zentralisierung der Verwaltung
Kennedy leitete eine umfassende Reorganisation ein, die darauf abzielt, Entscheidungsbefugnisse stärker zu zentralisieren. Mit der Schaffung der „Administration for a Healthy America“ (AHA) sollen Funktionen wie Personalwesen, IT, Beschaffung und politische Entscheidungen unter eine einheitliche Leitung gestellt werden. Experten sehen darin einen Versuch, die Kontrolle über die bisher dezentral organisierten Gesundheitsbehörden zu verstärken. Kritiker wie Peter Lurie vom Center for Science in the Public Interest warnen, dass dies die Unabhängigkeit wissenschaftlicher Entscheidungen, etwa bei der Arzneimittelzulassung durch die FDA, gefährden könnte.
Fokus auf chronische Krankheiten
Kennedy hat wiederholt betont, die „Epidemie chronischer Krankheiten“, insbesondere bei Kindern, beenden zu wollen. Präsident Trump unterzeichnete am Tag von Kennedys Vereidigung eine Executive Order zur Einrichtung der „Make America Healthy Again Commission“, die die Ursachen chronischer Erkrankungen untersuchen soll. Konkrete Maßnahmen oder Ergebnisse dieser Initiative liegen bisher nicht vor. Kennedy äußerte sich kritisch zu Lebensmittelzusatzstoffen und setzte sich für den Ersatz künstlicher Farbstoffe durch natürliche Alternativen ein, was jedoch freiwillig für Unternehmen bleibt.
Impfpolitik und Kontroversen
Als langjähriger Impfkritiker sorgte Kennedy für Besorgnis in der scientific community. In seiner Funktion als Gesundheitsminister hat er laut Berichten die Impfempfehlung für COVID-19-Impfungen bei Kindern zurückgezogen, was in den USA und international Signalwirkung entfaltete. Diese Entscheidung wurde in sozialen Medien gefeiert, jedoch von Experten als riskant kritisiert, da sie die Impfbereitschaft weiter senken könnte. Kennedy betonte in Anhörungen, er sei kein Impfgegner, sondern fordere lediglich strengere Sicherheitsprüfungen. Dennoch werfen ihm Kritiker vor, wissenschaftlich widerlegte Thesen, etwa einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus, weiter zu verbreiten.
Internationale Reaktionen
Kennedys Ansichten haben auch global Beachtung gefunden. Er kritisierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und forderte in einem Video-Statement neue Institutionen, die unabhängig von „Pharmakorruption“ agieren sollen. Dies geschah im Kontext der Ratifizierung des WHO-Pandemieabkommens, zu dem Kennedy eine ablehnende Haltung einnimmt. Experten wie Kathleen Sebelius, ehemalige HHS-Ministerin, warnen, dass Kennedys Politik die internationale Zusammenarbeit bei der Pandemiebekämpfung, etwa bei der H5N1-Vogelgrippe, erschweren könnte.
Fazit
Robert F. Kennedy Jr.s bisherige Amtszeit ist geprägt von tiefgreifenden Veränderungen im HHS, die auf Effizienzsteigerung und eine Neuausrichtung auf chronische Krankheiten abzielen. Die massiven Stellenkürzungen und die Zentralisierung der Verwaltung haben jedoch Kritik ausgelöst, ebenso wie seine impfkritischen Äußerungen. Konkrete Erfolge, etwa im Kampf gegen chronische Krankheiten, sind bislang nicht dokumentiert. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Kennedys Reformen die von ihm versprochene Gesundheitswende einleiten oder die Kapazitäten des US-Gesundheitssystems nachhaltig schwächen.
