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Kombinierte orale Kontrazeptiva verdreifachen Schlaganfallrisiko bei jungen Frauen

Auf der Konferenz der Europäischen Schlaganfall-Organisation (ESOC) 2025 in Wien wurden neue Forschungsergebnisse vorgestellt, die einen alarmierenden Zusammenhang zwischen der Einnahme kombinierter oraler Kontrazeptiva (OCs) und einem erhöhten Risiko für kryptogene ischämische Schlaganfälle (CIS) bei jungen Frauen aufzeigen. Die Studie, die in 14 europäischen Zentren durchgeführt wurde, zeigt, dass Frauen, die solche Verhütungsmittel verwenden, ein dreifach höheres Risiko für diesen Schlaganfalltyp haben, dessen Ursache unklar bleibt. Diese Erkenntnisse verstärken die wachsende Sorge über die vaskulären Risiken hormoneller Verhütung bei Frauen im reproduktiven Alter und rufen nach einer sorgfältigeren Risikobewertung in der medizinischen Praxis.

Kryptogene ischämische Schlaganfälle, die keine erkennbare Ursache haben, machen bis zu 40 Prozent der ischämischen Schlaganfälle bei jungen Erwachsenen aus. Trotz ihrer Häufigkeit sind geschlechtsspezifische Risikofaktoren wie die Verwendung von Kontrazeptiva noch nicht ausreichend erforscht. Während frühere Studien bereits Verbindungen zwischen kombinierten OCs und Schlaganfällen hergestellt haben, ist die aktuelle Untersuchung eine der ersten, die sich gezielt auf kryptogene Schlaganfälle bei Frauen im Alter von 18 bis 49 Jahren konzentriert. Die Ergebnisse tragen dazu bei, ein bisher wenig verstandenes Risikoprofil zu beleuchten und die Notwendigkeit weiterer Forschung zu unterstreichen.

Die Studie, bekannt als „Searching for Explanations for Cryptogenic Stroke in the Young“ (SECRETO), umfasste 268 Frauen mit einem kryptogenen ischämischen Schlaganfall und 268 altersgleiche Kontrollpersonen ohne Schlaganfall. Von den Teilnehmerinnen nahmen 66 Frauen mit Schlaganfall und 38 Kontrollpersonen kombinierte OCs ein. Nach Berücksichtigung bekannter Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Migräne mit Aura und abdominaler Adipositas zeigte die Analyse, dass die Einnahme von OCs mit einem dreifach erhöhten Risiko für einen kryptogenen Schlaganfall verbunden ist. Die bereinigte Odds Ratio betrug 3,00, mit einem Konfidenzintervall von 1,61 bis 5,57. Bemerkenswert ist, dass keine signifikanten Wechselwirkungen zwischen der Einnahme von OCs und den genannten Risikofaktoren festgestellt wurden, was darauf hindeutet, dass das erhöhte Risiko unabhängig von diesen Faktoren besteht.

Die meisten Frauen in der Studie verwendeten Kontrazeptiva auf Ethinylestradiol-Basis mit einer durchschnittlichen Dosis von 20 Mikrogramm, wobei auch andere Östrogenarten wie Östradiolhemihydrat und Östradiolvalerat erfasst wurden. Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, wurde die äquivalente Östrogendosis für jede Teilnehmerin berechnet. Obwohl die Daten erste wichtige Erkenntnisse liefern, betonen die Forschenden, dass größere Studien notwendig sind, um zu klären, ob bestimmte Formulierungen unterschiedliche Risiken bergen. Solche Informationen könnten Frauen und Ärzten helfen, fundiertere Entscheidungen über die Wahl von Verhütungsmitteln zu treffen.

Die Ergebnisse der Studie fügen sich in eine wachsende Evidenz ein, die hormonelle Verhütung mit vaskulären Risiken in Verbindung bringt. Kryptogene Schlaganfälle sind besonders schwer zu verhindern, da ihre Ursachen unbekannt bleiben, was die Identifizierung von Risikofaktoren wie OCs umso wichtiger macht. Die Forschenden vermuten, dass zusätzliche biologische oder genetische Mechanismen eine Rolle spielen könnten, die das erhöhte Risiko erklären. Geplante Folgestudien sollen diese Mechanismen genauer untersuchen, um zu verstehen, wie hormonelle Kontrazeptiva das Schlaganfallrisiko unabhängig von anderen Faktoren erhöhen.

Die Studienergebnisse haben weitreichende Implikationen für die medizinische Praxis. Die Forschenden fordern Ärzt:innen dazu auf, bei der Verschreibung kombinierter OCs besondere Vorsicht walten zu lassen, insbesondere bei Frauen mit bekannten vaskulären Risikofaktoren oder einer Vorgeschichte von Schlaganfällen. Eine sorgfältige Abwägung des individuellen Risikoprofils ist entscheidend, um potenziell lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden. Frauen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen oder Migräne mit Aura könnten von alternativen Verhütungsmethoden profitieren, die ein geringeres vaskuläres Risiko bergen, wie etwa gestagenbasierte Präparate oder nicht-hormonelle Optionen.

Die European Stroke Organisation (ESO), die die Konferenz ausrichtet, ist eine paneuropäische Gesellschaft, die sich seit ihrer Gründung 2007 der Reduzierung der Schlaganfallbelastung widmet. Durch Forschung, Aufklärung und die Harmonisierung von Behandlungsstandards strebt die ESO an, die Prävention und Versorgung von Schlaganfällen in Europa und weltweit zu verbessern. Die Präsentation dieser Studie auf der ESOC 2025 unterstreicht die Bedeutung geschlechtsspezifischer Forschung, um die spezifischen Risiken für junge Frauen besser zu verstehen und gezielte Präventionsstrategien zu entwickeln.

Die Ergebnisse der SECRETO-Studie werfen ein neues Licht auf die Risiken kombinierter oraler Kontrazeptiva und betonen die Dringlichkeit, die zugrunde liegenden Mechanismen weiter zu erforschen. Bis umfassendere Daten vorliegen, bleibt eine individualisierte Beratung und Risikoabwägung in der ärztlichen Praxis unerlässlich, um die Sicherheit von Frauen im reproduktiven Alter zu gewährleisten. Die Studie markiert einen wichtigen Schritt in der Schlaganfallforschung und könnte langfristig dazu beitragen, die Verhütungspraxis sicherer zu gestalten.