Jahrhundertdürre 2025: Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung deutscher Krankenhäuser.
Deutschland erlebt im Jahr 2025 eine der schwersten Dürreperioden seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die anhaltende Trockenheit stellt nicht nur die Landwirtschaft und Ökosysteme, sondern auch die öffentliche Infrastruktur vor große Herausforderungen. Besonders im Fokus steht die Versorgungssicherheit mit Trinkwasser – eine kritische Ressource, deren kontinuierliche Verfügbarkeit für Krankenhäuser von existenzieller Bedeutung ist.
Die aktuelle Dürresituation: Ursachen, Ausmaß und regionale Unterschiede
Die Dürre 2025 ist das Resultat eines außergewöhnlich niederschlagsarmen Winters und Frühjahrs. Bereits im Winterhalbjahr 2024/25 fielen mit rund 155 Litern pro Quadratmeter nur etwa 82 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags der Referenzperiode 1991–2020[9]. Besonders der Februar und März 2025 waren extrem trocken: Im März lag das Niederschlagsniveau bei nur 21 Prozent des langjährigen Mittels, was den sechsttrockensten März seit 1881 markiert[9]. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) berichtet, dass es deutschlandweit seit 1931 noch nie so trocken war wie im Zeitraum von Anfang Februar bis Mitte April 2025[9][6].
Diese Trockenheit manifestiert sich regional unterschiedlich. Der Norden Deutschlands, insbesondere Niedersachsen, das norddeutsche Tiefland und Teile Nordbayerns, sind besonders betroffen. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zeigt vielerorts die höchste Warnstufe: Die obersten 25 Zentimeter des Bodens sind in weiten Teilen nahezu ausgetrocknet[2][9]. Im Harz beispielsweise wurden im Frühjahr 2025 nur 65 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen – ein Negativrekord seit Beginn der Aufzeichnungen 1857[2]. Die Talsperren im Harz sind aktuell nur zu etwa 65 Prozent gefüllt, während der langjährige Durchschnitt bei rund 80 Prozent liegt[2][7].
Auch in anderen Regionen, etwa in Südhessen, Franken, Teilen Brandenburgs und den Mittelgebirgen wie dem Harz, sind die Böden ungewöhnlich trocken[1]. Die Pegelstände vieler Flüsse, darunter des Rheins, liegen deutlich unter dem Mittel[8]. Die Folge: Waldbrandgefahr steigt, landwirtschaftliche Erträge sind bedroht, und die Wasserreserven in Talsperren und Grundwasserleitern sinken.
Klimatische Einordnung und Prognose
Die Dürre 2025 ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines sich verstärkenden Trends im Zuge des Klimawandels. Trockenphasen treten seit den 2010er Jahren häufiger auf, was auf steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster zurückzuführen ist[8][9]. Die EU-Kommission und das Joint Research Centre (JRC) warnen, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen und verschärfen dürfte[8].
Die Wetterprognosen für den Sommer 2025 sind alarmierend: Es droht ein Jahrhundertsommer mit Temperaturen, die teils fünf bis zehn Grad über dem Durchschnitt liegen[6]. Sollte sich das aktuelle Muster fortsetzen, könnten die bisherigen Rekorde an Hitzetagen und Trockenperioden übertroffen werden. Die Böden sind bereits im Frühjahr stark ausgetrocknet, was die Vegetationsperiode und die Wasserspeicherreserven zusätzlich belastet[1][6].
Trinkwasserversorgung in Deutschland: Strukturen und Resilienz
Deutschland verfügt über eine grundsätzlich robuste Trinkwasserversorgung. Rund 70 Prozent des Trinkwassers werden aus Grundwasser gewonnen, das meist aus tiefen Schichten (80 bis 120 Meter oder tiefer) stammt und daher träger auf klimatische Schwankungen reagiert als oberflächennahe Speicher[1][3]. Weitere 14 Prozent stammen aus Oberflächenwasser von Flüssen, Seen und Talsperren[3].
Die meisten Trinkwassertalsperren sind durch das vergleichsweise nasse Vorjahr noch gut gefüllt, sodass die Versorgungssicherheit aktuell nicht unmittelbar gefährdet ist[1][3][7]. Auch die Donau, mit ihrem großen Einzugsgebiet, wird nicht trockenfallen[1]. Dennoch zeigen sich in einigen Regionen bereits Herausforderungen: Sinkende Grundwasserstände, leere Talsperren und niedrige Flusspegel erhöhen den Druck auf die Versorger, insbesondere in Norddeutschland und Mittelgebirgsregionen[1][2][3][9].
Seit den Dürrejahren 2018 und 2019 haben viele Wasserversorger und Behörden Frühwarnsysteme („Wasserampeln“) etabliert, um die Bevölkerung rechtzeitig zum Wassersparen aufzurufen[3]. Vereinbarungen mit industriellen Großverbrauchern ermöglichen es, den Wasserbedarf im Bedarfsfall kurzfristig zu reduzieren. Mittelfristig ist jedoch eine Anpassung der Infrastruktur an häufigere Trocken- und Hitzeperioden erforderlich[3].
Trinkwasserversorgung der Krankenhäuser: Bedeutung und Herausforderungen
Krankenhäuser sind Teil der Kritischen Infrastruktur und auf eine unterbrechungsfreie Versorgung mit Trinkwasser angewiesen. Pro Bett und Tag werden durchschnittlich mehr als 300 Liter Wasser benötigt[4]. Wasser ist nicht nur für die Hygiene und die Versorgung der Patienten essenziell, sondern auch für medizinische Prozesse, die Reinigung und die Kühlung von Geräten[5].
Ein Ausfall der Wasserversorgung hätte dramatische Folgen: Operationen könnten nicht durchgeführt werden, die Hygiene wäre gefährdet, und die Versorgung der Patienten müsste im Extremfall eingestellt werden[5]. Während Notfallpläne für Stromausfälle in Krankenhäusern etabliert sind, ist die Notfallvorsorge für die Wasserversorgung bislang weniger systematisch umgesetzt worden[5].
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt NOWATER hat erstmals einen Leitfaden für die Notfallvorsorge bei Ausfall der Wasser- und Abwasserversorgung in Krankenhäusern entwickelt[5]. Ziel ist es, die Resilienz der Kliniken zu erhöhen und organisatorische sowie technische Lösungsstrategien zu etablieren. Dazu gehören:
- Redundante Wasserversorgungssysteme und Notbrunnen
- Vorratshaltung von Trinkwasser für mehrere Tage
- Kooperationen mit lokalen Wasserversorgern und Behörden
- Technische Maßnahmen zur Reduzierung des Wasserverbrauchs im Krisenfall
- Regelmäßige Risikoanalysen und Notfallübungen[5]
Aktuelle Lage in den Krankenhäusern 2025
Trotz der angespannten Wassersituation ist die Trinkwasserversorgung der Krankenhäuser in Deutschland derzeit nicht akut gefährdet[1][3][7]. Die meisten Kliniken sind an das öffentliche Netz angeschlossen, das durch die genannten Maßnahmen und die tieferen Grundwasserreserven eine hohe Versorgungssicherheit bietet. Die Betreiber der Talsperren und Wasserversorgungsunternehmen betonen, dass die Versorgung auch bei den aktuell niedrigeren Füllständen gewährleistet ist[2][7].
Allerdings sind die Krankenhäuser als Großverbraucher besonders auf eine stabile Versorgung angewiesen. Der hohe Wasserbedarf – pro Bett und Jahr etwa 300 Liter täglich – macht sie verwundbar gegenüber Versorgungsengpässen[4]. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert daher, die Kliniken im Rahmen der Krankenhausreform und des klimagerechten Umbaus besser auf Extremwetterereignisse vorzubereiten[4]. Dazu gehören Investitionen in Gebäudetechnik, Hitzeschutz und die Modernisierung der Infrastruktur.
Der Investitionsbedarf für einen klimagerechten Umbau der Krankenhäuser wird auf mindestens 31 Milliarden Euro geschätzt, wobei ein Teil davon in Maßnahmen zur Sicherstellung der Wasser- und Energieversorgung fließen soll[4]. Die DKG plädiert für einen eigenen Klimafonds, um die Kliniken widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen.
Prävention und Anpassungsstrategien
Die Dürre 2025 verdeutlicht die Notwendigkeit, die Wasserversorgung auch im Gesundheitswesen resilienter zu gestalten. Zu den empfohlenen Maßnahmen zählen:
- Ausbau und Vernetzung der Wassergewinnungsanlagen, um flexibel auf regionale Engpässe reagieren zu können[3]
- Einführung flexibler Bewirtschaftungsregeln für Talsperren und Speicher, angepasst an klimatische Veränderungen[3]
- Entwicklung und Umsetzung von Notfallplänen für den Ausfall der Wasser- und Abwasserversorgung in Krankenhäusern[5]
- Förderung von Wasserspartechnologien und -management in Kliniken, etwa durch den Einsatz wassersparender Armaturen und die Wiederverwendung von Brauchwasser, wo möglich
- Stärkung der Kooperation zwischen Krankenhäusern, Wasserversorgern und Behörden, um im Krisenfall schnell reagieren zu können[5]
- Sensibilisierung von Personal und Öffentlichkeit für einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser[7]
Fazit und Ausblick
Die Dürre 2025 ist ein Warnsignal für die Verwundbarkeit der Wasserinfrastruktur in Deutschland. Während die Versorgungssicherheit mit Trinkwasser – auch für Krankenhäuser – aktuell gewährleistet ist, zeigen sich deutliche regionale Unterschiede und erste Anzeichen von Belastungsgrenzen[1][2][3][7][9]. Die Erfahrungen der letzten Jahre und die Prognosen für die kommenden Sommer machen deutlich, dass eine Anpassung der Infrastruktur an den Klimawandel dringend erforderlich ist.
Für Krankenhäuser bedeutet dies, dass sie ihre Notfallvorsorge ausbauen, technische und organisatorische Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz umsetzen und in den klimagerechten Umbau investieren müssen. Nur so kann die Versorgungssicherheit auch in Zeiten zunehmender Wetterextreme gewährleistet werden. Die Politik ist gefordert, die notwendigen Mittel bereitzustellen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen, damit die Kliniken ihrer Rolle als Kritische Infrastruktur auch in Zukunft gerecht werden können[4][5].
Die kommenden Monate werden zeigen, wie belastbar das deutsche Versorgungssystem tatsächlich ist – und wie schnell die notwendigen Anpassungsmaßnahmen umgesetzt werden können, um die Folgen der Dürre und des Klimawandels abzufedern.
Quellen:
[1] Der nächste Dürresommer droht – so müssen wir unser Wasser neu denken https://www.focus.de/earth/der-naechste-duerresommer-droht-so-muessen-wir-unser-wasser-neu-denken_d1c6ffcd-09f3-4c27-8a65-ec3b2ca139d1.html
[2] Zu wenig Regen: Dürrekarte zeigt Dunkelrot – vielerorts höchste Warnstufe erreicht https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Zu-wenig-Regen-Duerrekarte-zeigt-Dunkelrot-fuer-Niedersachsen,trockenheit622.html
[3] 2025-04-16 – Trockenheit Wasserversorgung – DVGW e.V. https://www.dvgw.de/der-dvgw/aktuelles/presse/presseinformationen/dvgw-presseinformation-vom-16042025-trockenheit-und-wasserversorgung
[4] DKG zum klimagerechten Umbau von Krankenhäusern https://www.dkgev.de/dkg/presse/details/kliniken-fordern-milliardenschweren-klimaschutzfonds-zum-klimagerechten-umbau/
[5] Ausfall der Wasserversorgung und -entsorgung im Krankenhaus https://www.th-koeln.de/hochschule/ausfall-der-wasserversorgung-und–entsorgung-im-krankenhaus-projekt-nowater_116819.php
[6] Jahrhundertsommer 2025? Heftige Gluthitze steht Deutschland bevor https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/wetter/id_100671794/jahrhundertsommer-2025-droht-alle-rekorde-zu-sprengen.html
[7] Trockenheit in der Region: Ist die Trinkwasserversorgung in Gefahr? https://regionalheute.de/trockenheit-in-der-region-ist-die-trinkwasserversorgung-in-gefahr-1744799403/
[8] Dürre in Deutschland: Der Klimawandel und was daraus folgt https://www.deutschlandfunk.de/duerre-deutschland-hitze-landwirtschaft-wasser-klimawandel-100.html
[9] Trockenheit in Deutschland – Fragen und Antworten https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/extremereignisseklimawandel/trockenheit-in-deutschland-fragen-antworten
[10] Wie Trockenheit der Landwirtschaft schadet: BZL https://www.landwirtschaft.de/umwelt/klimawandel/auswirkungen-auf-die-landwirtschaft/wie-trockenheit-der-landwirtschaft-schadet
[11] Wasseratlas 2025: Droht in deutschen Kommunen bald … https://www.klimaschutz-kommune.de/trend/wasseratlas-2025/
[12] Trockenheit in Deutschland – Fragen und Antworten https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/extremereignisseklimawandel/trockenheit-in-deutschland-fragen-antworten
[13] Krankenhaus-Report 2025 | Pressemitteilungen | WIdO https://www.wido.de/news-presse/pressemitteilungen/2025/krankenhaus-report-2025-versorgung-hochbetagter/
[14] Frühling 2025 in Deutschland extrem trocken: Welche Folgen das … https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fruehling-2025-in-deutschland-extrem-trocken-welche-folgen-das-nun-hat-a-c5abaa20-deda-49d6-9bcf-13ebccd72aa2
[15] Frühjahrstrockenheit 2025 in Deutschland: Mit Trockenstress in den … https://www.sciencemediacenter.de/angebote/fruehjahrstrockenheit-2025-in-deutschland-mit-trockenstress-in-den-sommer-25070
[16] Dürre 2025: Müssen Felder, Parks und Gärten schon wieder bangen? https://www.mdr.de/wissen/umwelt-klima/duerre-trockenheit-landwirtschaft-gaerten-niederschlag-fruehjahr-zweitausendfuenfundzwanzig-100.html
[17] Weltwassertag 2025: 10 Fakten zur Wasserknappheit weltweit https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/-/weltwassertag-zehn-fakten-ueber-wasser/275338
[18] Trockenheit Städtetag fordert zum Trinkwassersparen auf – MDR https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/staedtetag-trinkwasser-sparen-100.html
[19] [PDF] wasseratlas-2025.pdf – Heinrich-Böll-Stiftung https://www.boell.de/sites/default/files/2025-01/wasseratlas-2025.pdf
[20] Auswirkungen von Wasserrohrbrüchen – Krankenhäuser … – Nuvonic https://www.nuvonicuv.com/impact-of-water-main-breaks-on-hospitals-and-care-facilities/?lang=de
