BERLIN – Die Versorgung mit lebenswichtigen Blutplasmaprodukten in Deutschland und der EU ist zunehmend bedroht. Eine Allianz aus Industrie- und Patientenverbänden, darunter BPI, PPTA, vfa, Alpha 1 Deutschland, dsai, IGH und BDDH, drängt auf politische Lösungen, um die wachsende Kluft zwischen steigendem Bedarf und begrenztem Spendeaufkommen zu schließen.
Der Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts für 2024 zeigt: Der Verbrauch von Immunglobulinen stieg zwischen 2013 und 2023 um 120 Prozent, während die in Deutschland gesammelte Plasmamenge nur um vier Prozent wuchs. Diese Diskrepanz gefährdet die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit essenziellen Therapien für Immundefekte, Hämophilie, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel oder Multifokale Motorische Neuropathie. Blutplasma, das nicht synthetisch herstellbar ist, bleibt die einzige Quelle für diese Arzneimittel.
Auch europaweit spitzt sich die Lage zu. Viele Länder sind auf Plasmaimporte, oft aus den USA, angewiesen. Geopolitische Unsicherheiten setzen diese Lieferketten jedoch unter Druck. Die Allianz fordert daher gezielte Maßnahmen: Motivationskampagnen sollen die Zahl der Plasmaspenderinnen und -spender steigern, ein verbessertes Meldesystem Versorgungsengpässe frühzeitig erkennen. Zudem sind bessere Rahmenbedingungen für die Plasmaspende nötig, um die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.
Blutplasmaprodukte sind unverzichtbar für die Behandlung schwerer Krankheiten, deren Bedarf durch demographischen Wandel und verbesserte Diagnostik wächst. Ihre Herstellung ist komplex, zeitaufwendig und kostenintensiv, was die Versorgung zusätzlich anfällig macht. Die Allianz betont: Ohne schnelle politische Antworten drohen Versorgungslücken – ein Risiko, das durch gemeinsames Handeln vermieden werden kann.
