Bukarest, 4. Mai 2025 – Die erste Runde der wiederholten Präsidentschaftswahl in Rumänien endete am Sonntagabend mit einem überraschenden Vorsprung für George Simion, den Vorsitzenden der rechtsnationalen Allianz für die Einheit der Rumänen (AUR). Laut Exit-Polls, durchgeführt von AVANGARDE, CURS und ARA, erreichte Simion etwa 30–33 % der Stimmen, gefolgt von Crin Antonescu (PSD, PNL, UDMR) und Nicu?or Dan (unabhängig) mit jeweils rund 21–23 %. Die Ergebnisse der Diaspora, wo Simion und Dan stark vertreten sind, könnten die endgültige Platzierung für die Stichwahl am 18. Mai beeinflussen.
Wahlkampf und Hintergrund
Die Wahl war geprägt von politischer Instabilität und Protesten, ausgelöst durch die Annullierung der ursprünglichen Präsidentschaftswahl im Dezember 2024. Damals hatte der ultranationalistische Kandidat C?lin Georgescu die erste Runde gewonnen, doch das Verfassungsgericht erklärte die Wahl aufgrund mutmaßlicher russischer Einmischung für ungültig – eine Anschuldigung, die Moskau zurückwies. Georgescu wurde im März 2025 von der Kandidatur ausgeschlossen, woraufhin Simion, der 2024 auf Georgescus Unterstützung verzichtet hatte, für die AUR antrat.
Simion, 38, positionierte sich als Anti-Establishment-Kandidat und nutzte die Wut über die Wahlannullierung. Seine Partei, gegründet 2019, wuchs von einer Anti-Impf-Bewegung zur zweitgrößten Kraft im Parlament. Simion, der sich ideologisch an Donald Trumps MAGA-Bewegung anlehnt, kritisiert die EU-Führung, lehnt Militärhilfe für die Ukraine ab und fordert die Wiederherstellung Rumäniens vor dem Zweiten Weltkrieg liegender Grenzen, was Spannungen mit Nachbarländern wie der Ukraine und Moldawien auslöst.
Dramatische Kampagne
Der Wahlkampf war von Kontroversen gezeichnet. Simion verließ eine TV-Debatte am 28. April, um „mit dem Volk“ zu sein, und verbot Medien wie Antena 3 und România TV den Zugang zu AUR-Veranstaltungen aufgrund angeblicher Falschberichte. Die Wahlbehörde (AEP) untersucht zudem Vorwürfe eines 1,5-Millionen-Dollar-Lobbyvertrags in den USA sowie den Missbrauch persönlicher Daten in Wahlkampfbriefen.
Simion trat am Wahltag demonstrativ mit Georgescu auf, der die Wahl als „Betrug“ bezeichnete, aber die „Macht der Demokratie“ betonte. Simion erklärte, sein Ziel sei die „Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung“.
Zweite Runde und Bedeutung
Die enge Verfolgung durch Antonescu und Dan deutet auf eine polarisierte Stichwahl hin. Ein Sieg Simions könnte Rumäniens pro-westlichen Kurs in EU und NATO gefährden, Investitionen abschrecken und die Stabilität an NATOs Ostflanke schwächen, insbesondere angesichts des Ukraine-Kriegs. Politanalysten wie Sergiu Miscoiu betonen, dass die Diaspora-Stimmen entscheidend sein könnten.
„Dies ist ein Sieg der rumänischen Würde“, sagte Simion nach Veröffentlichung der Exit-Polls, forderte aber Wachsamkeit bei der Stimmauszählung, um Betrug zu verhindern. Antonescu und Dan riefen zur Geduld bis zur endgültigen Auszählung auf.
Die Ergebnisse markieren einen Wendepunkt für Rumänien, das vor der Herausforderung steht, zwischen nationalistischer Innenpolitik und seiner Rolle als verlässlicher EU- und NATO-Partner zu wählen.
Quellen: AGERPRES, Reuters, Euronews, POLITICO
