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Globale Seuchenausbrüche 2025: Aktuelle Entwicklungen und Trends

Die weltweite Seuchenlage im Frühjahr 2025 ist geprägt von einer Vielzahl an Ausbrüchen zoonotischer und humanmedizinisch relevanter Infektionskrankheiten.

Während einige Epidemien regional begrenzt sind, zeigen andere ein besorgniserregendes Ausmaß mit globalen Auswirkungen. Dieser Wochenbericht fasst die wichtigsten aktuellen Seuchenausbrüche zusammen, beleuchtet die epidemiologischen Trends und gibt einen Überblick über die offiziellen Statistiken und Einschätzungen internationaler Gesundheitsbehörden.


Afrikanische Schweinepest (ASP) in Europa: Anhaltend hohe Dynamik

Die Afrikanische Schweinepest bleibt weiterhin eine der bedeutendsten Tierseuchen Europas. Im Januar 2025 wurden europaweit 62 Ausbrüche bei Hausschweinen und 1.338 Ausbrüche bei Wildschweinen gemeldet. Die Zahl der gemeldeten Ausbrüche ist im Vergleich zum Vormonat erneut gestiegen. Derzeit sind 15 Länder in Europa betroffen, darunter Deutschland, Polen, Bulgarien, Lettland, Ungarn, Italien, Litauen, Rumänien, Slowakei, Griechenland, Ukraine, Serbien, Estland und Bosnien und Herzegowina. Die meisten Ausbrüche bei Wildschweinen wurden in Polen (388), gefolgt von Deutschland (228) und Bulgarien (226) registriert. In Österreich bleibt das Risiko für weitere Ausbrüche hoch, da vier der betroffenen Länder an Österreich grenzen[1].

Die Ausbreitung der ASP wird maßgeblich durch Wildschweine getrieben. Die hohe Zahl der Infektionen in Grenzregionen erhöht das Risiko einer weiteren Ausdehnung nach Mitteleuropa. Die wirtschaftlichen Folgen für die Schweinehaltung sind erheblich, da die Seuche zu massiven Tierverlusten und Handelsrestriktionen führt.


West-Nil-Virus (WNV): Zunahme humaner Infektionen in Europa

Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) berichtet, dass seit Beginn der Übertragungssaison 2024 bis zum 4. Dezember 2024 insgesamt 1.436 WNV-Infektionen beim Menschen in 19 EU-Ländern gemeldet wurden. Besonders betroffen sind Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Ungarn, Estland und Österreich. In Österreich wurden 36 Infektionen in den Regionen Nordburgenland, Weinviertel, Wiener Umland Nordteil, Wiener Umland Südteil und Wien verzeichnet[1].

Die Übertragung erfolgt durch Stechmücken, und die Infektionssaison reicht in Europa von Juni bis November. Die Zunahme der Fälle steht im Zusammenhang mit veränderten klimatischen Bedingungen, die die Ausbreitung der Mücken begünstigen. Das WNV kann beim Menschen schwere neurologische Erkrankungen verursachen, insbesondere bei älteren und immungeschwächten Personen.


Masern: Größter Ausbruch in den USA seit 25 Jahren

Die Vereinigten Staaten erleben aktuell den größten Masernausbruch seit einem Vierteljahrhundert. Landesweit wurden laut CDC 800 Fälle registriert, wobei die Dunkelziffer vermutlich höher liegt, da viele Fälle verzögert gemeldet werden. Das Epizentrum befindet sich in Texas mit 624 Infektionen seit Ende Januar, betroffen sind auch Oklahoma und New Mexico. Zwei ungeimpfte Kinder sind an den Folgen der Masern verstorben – die ersten Todesfälle durch Masern in den USA seit zehn Jahren. Fast alle Infizierten waren nicht geimpft oder ihr Impfstatus war unbekannt, die meisten sind Kinder. Rund elf Prozent der Betroffenen mussten stationär behandelt werden[3].

Die Situation verdeutlicht die Bedeutung hoher Impfraten, um die Ausbreitung dieser hoch ansteckenden Krankheit zu verhindern. Die Masern galten in den USA als eliminiert, doch Impflücken und zunehmende Impfskepsis begünstigen neue Ausbrüche.


Weltweite Seuchenlage: Überblick und neue Risiken

Neben den aktuellen Ausbrüchen sind weiterhin zahlreiche Infektionskrankheiten weltweit präsent. Die Liste der bedeutenden Epidemien und Pandemien des 21. Jahrhunderts umfasst unter anderem:

  • COVID-19-Pandemie: Offiziell wurden bis Mai 2023 etwa 677 Millionen Infektionen und mindestens 20 Millionen Todesfälle weltweit registriert. Die tatsächlichen Zahlen dürften aufgrund erheblicher Dunkelziffern deutlich höher liegen. Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell sich neue Erreger global verbreiten können und welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen daraus resultieren[4].
  • Ebolafieber: In Westafrika (2014–2016) und der Demokratischen Republik Kongo (2018–2020) kam es zu schweren Ausbrüchen mit Tausenden Todesfällen. Die Bekämpfung solcher hämorrhagischer Fieber bleibt eine Herausforderung, insbesondere in Ländern mit schwacher Gesundheitsinfrastruktur[4].
  • Cholera: Im Jemen hält seit 2016 die bislang größte bekannte Cholera-Epidemie an, mit mehr als 1,7 Millionen Erkrankten und über 3.400 Todesfällen. Auch in Haiti und weiteren Ländern kommt es immer wieder zu Ausbrüchen[4].
  • Dengue-Fieber und Chikungunya: In tropischen und subtropischen Regionen nehmen durch den Klimawandel und die Ausbreitung der Überträgermücken (Aedes-Arten) die Fallzahlen zu. Sri Lanka meldete seit 2017 über 130.000 Dengue-Fälle[4].
  • Zikavirus: Nach den großen Epidemien in Südamerika 2015/16 tritt das Virus weiterhin in tropischen Gebieten auf und kann insbesondere bei Schwangeren schwere Komplikationen verursachen[4].

Zoonosen und Klimawandel: Neue Herausforderungen für die globale Gesundheit

Das Risiko für das Auftreten neuer Pandemien steigt weiter an. Hauptursachen sind die Zerstörung von Ökosystemen, die globale Erwärmung und die zunehmende Globalisierung. Der Hamburger Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit betont den Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und dem Auftreten neuer Infektionsgefahren. So werden Erreger, die bislang in geschlossenen Ökosystemen zirkulierten, durch menschliche Eingriffe in Kontakt mit Menschen und Nutztieren gebracht. Ein Beispiel ist das Usutu-Virus, das sich mittlerweile auch in Deutschland durch Stechmücken verbreitet und bei immungeschwächten Menschen Hirnhautentzündungen auslösen kann[2].

Wärmere Frühjahrs- und Sommermonate begünstigen zudem die Ausbreitung von Mücken, die als Vektoren für zahlreiche Viren (z.B. West-Nil-, Dengue-, Zika-, Chikungunya-Virus) fungieren. Dadurch gelangen diese Krankheiten zunehmend in Regionen, die bislang als zu kühl galten.


Globale Seuchenschutzmaßnahmen unter Druck

Die Finanzierung und Organisation globaler Seuchenschutzprogramme steht vor neuen Herausforderungen. Die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC musste ihre Programme zur Vorsorge vor Epidemien in 39 Staaten drastisch reduzieren, da eine zentrale Finanzierung nicht verlängert wurde. Dies betrifft vor allem Länder, die als Hotspots für neu auftretende Infektionskrankheiten gelten, wie China (Vogelgrippe), Rwanda und den Kongo (Ebola). Die USA hatten traditionell einen Großteil der Infrastruktur und Expertise für die Früherkennung und Eindämmung von Epidemien bereitgestellt. Der Rückzug erhöht das Risiko, dass beginnende Epidemien unentdeckt bleiben und sich ungehindert ausbreiten können[5].


Pandemiebereitschaft: Internationale Initiativen und Ausblick

Angesichts der Erfahrungen aus der COVID-19-Pandemie und der steigenden Risiken neuer Ausbrüche haben die G7-Staaten gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation und weiteren UN-Organisationen den „Pact for Pandemic Readiness“ initiiert. Ziel ist es, die internationale Zusammenarbeit zu stärken, die Überwachungssysteme auszubauen und die Impfstoffentwicklung zu beschleunigen[2].

Die Lehren aus der Vergangenheit sind eindeutig: Nur durch eine enge internationale Kooperation, Investitionen in Forschung und Infrastruktur sowie konsequente Impfprogramme können zukünftige Seuchen effektiv bekämpft werden.


Fazit: Seuchenlage bleibt angespannt – Prävention und Überwachung sind entscheidend

Die aktuellen Ausbrüche von Afrikanischer Schweinepest, West-Nil-Virus und Masern verdeutlichen, dass die Gefahr durch Infektionskrankheiten keineswegs gebannt ist. Zoonosen und vektorübertragene Krankheiten nehmen durch den Klimawandel und die Globalisierung weiter zu. Gleichzeitig gefährden Impflücken und eine nachlassende Seuchenschutzinfrastruktur die Erfolge der vergangenen Jahre. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Aufgabe, Prävention, Überwachung und Impfbereitschaft zu stärken, um künftigen Ausbrüchen wirksam begegnen zu können. Die aktuellen Statistiken und Entwicklungen zeigen: Eine konsequente Seuchenbekämpfung bleibt eine der zentralen Herausforderungen der globalen Gesundheitspolitik[1][2][3][4][5].

Quellen:
[1] Tierseuchenradar – Jänner 2025 – AGES https://www.ages.at/tier/tiergesundheit/tierseuchenradar/detail/tierseuchenradar-jaenner-2025
[2] Nächste Pandemie: Maßnahmen von Politik und Industrie – Vfa.de https://www.vfa.de/de/forschung-entwicklung/coronavirus/pandemiebereitschaft-abwehr-gegen-die-naechste-pandemie
[3] Masern: Ausbruch im Süden der USA ist der größte seit 25 Jahren https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/masern-ausbruch-im-sueden-der-usa-ist-der-groesste-seit-25-jahren-a-59e09901-9656-473e-b65f-091cef10446a
[4] Liste von Epidemien und Pandemien – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Epidemien_und_Pandemien
[5] Andere Prioritäten: USA reduzieren globalen Seuchenschutz deutlich https://www.spektrum.de/news/usa-reduzieren-globalen-seuchenschutz-deutlich/1538303
[6] und Klauenseuche (MKS), mehrere Fälle in Ungarn und der Slowakei https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/tiergesundheit/tierseuchen/mks.html
[7] Maul- und Klauenseuche (MKS) https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tierseuchen/uebersicht-seuchen/alle-tierseuchen/maul-und-klauenseuche-mks.html
[8] Blauzungenkrankheit | Friedrich-Loeffler-Institut https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/blauzungenkrankheit/
[9] Maul- und Klauenseuche – Friedrich-Loeffler-Institut https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/maul-und-klauenseuche/
[10] BMEL – Tierseuchen https://www.bmel.de/DE/themen/tiere/tiergesundheit/tierseuchen/tierseuchen_node.html
[11] Startseite-TierSeuchenInformationsSystem https://tsis.fli.de
[12] Afrikanische Schweinepest | Friedrich-Loeffler-Institut https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/afrikanische-schweinepest/
[13] Maul- und Klauenseuche (MKS) – Tierseucheninfo Niedersachsen https://tierseucheninfo.niedersachsen.de/startseite/tierseuchen_tierkrankheiten/schwein/maul_und_klauenseuche/maul_und_klauenseuche/maul-und-klauenseuche-mks-21655.html
[14] News kompakt: WHO-Staaten einigen sich auf Pandemievertrag – DW https://www.dw.com/de/news-kompakt-who-staaten-einigen-sich-auf-pandemievertrag/a-72257405
[15] Aktuelle Tierkrankheiten – Landkreis Gießen https://www.lkgi.de/aktuelle-tierkrankheiten/
[16] US-Gesundheitsbehörden registrieren fast 900 Maserninfektionen https://www.zeit.de/gesundheit/2025-04/usa-masernausbruch-900-faelle-texas-kinder-tot
[17] Epidemiologie – HZI https://www.helmholtz-hzi.de/wissen/wissensportal/epidemiologie/
[18] Seuchen: Aktuelle News & Infos zu Pandemien & Epidemien – WELT https://www.welt.de/themen/seuchen/
[19] Gesundheit: Seuchen & Krankheiten. Aktion Deutschland Hilft https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/fachthemen/gesundheit/seuchen/
[20] SPARS Pandemic 2025–2028 – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/SPARS_Pandemic_2025%E2%80%932028