Eine auf der ESCMID Global 2025 vorgestellte bahnbrechende Studie hat das Potenzial von Interleukin-6 (IL-6) als leistungsstarker diagnostischer Biomarker für die Früherkennung von Sepsis bei Hochrisikopatientengruppen, darunter Neugeborene, Kinder und Schwangere, aufgedeckt. Diese Studie ist die erste, die die diagnostische Leistung von IL-6 in einer realen Kohorte aller drei Populationen untersucht.
Sepsis, eine lebensbedrohliche Erkrankung, die durch eine Überreaktion des Immunsystems auf eine Infektion verursacht wird, ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit und für schätzungsweise 11 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich. 2, 3 Kleine Kinder, insbesondere unter fünf Jahren, und schwangere Frauen sind aufgrund immunologischer Veränderungen und erhöhter Anfälligkeit besonders gefährdet. 4,5 Die Diagnose einer Sepsis während der Schwangerschaft ist besonders schwierig, da physiologische Veränderungen die frühen Anzeichen verschleiern können.
Eine schnelle Diagnose ist entscheidend, aber aufgrund der unspezifischen Symptome der Sepsis und der Einschränkungen herkömmlicher diagnostischer Biomarker wie C-reaktivem Protein (CRP) und Procalcitonin (PCT), die verzögert reagieren und eine suboptimale Sensitivität aufweisen, schwierig. Angesichts des raschen Fortschreitens der Sepsis besteht dringender Bedarf an Biomarkern, die eine schnellere und genauere Diagnose ermöglichen, um rechtzeitig eingreifen zu können.
Die retrospektive Kohortenstudie analysierte Blutproben von 252 Patienten (111 Kinder, 72 Entbindungspatienten und 69 Neugeborene) mit Verdacht auf Sepsis. Die Patienten wurden nach Infektionstyp (bakteriell, viral oder keine Infektion) und physiologischer Reaktion (normal, systemisches Entzündungsreaktionssyndrom, Sepsis und septischer Schock) klassifiziert. Die diagnostische Genauigkeit wurde mittels AUROC-Analyse bewertet (von 1,0, einem perfekten Test mit 100 % Spezifität und Sensitivität, bis 0,5, einem völlig ineffektiven Test).
IL-6 übertraf herkömmliche Biomarker bei der Unterscheidung bakterieller von nicht-bakteriellen Infektionen durchweg mit AUROC-Werten von 0,91 bei Kindern, 0,94 bei Müttern und 0,86 bei Neugeborenen. IL-6 stratifizierte zudem effektiv den Schweregrad der Sepsis und unterschied zwischen leichter Infektion, Sepsis und septischem Schock – eine entscheidende Fähigkeit für die rechtzeitige und angemessene Behandlung.
In Bezug auf Sensitivität und Spezifität überschritt IL-6 sowohl bei Kindern als auch bei Müttern die 80 %-Marke und erkannte bakterielle Infektionen mit einer Sensitivität von 91 % bei Kindern und 94 % bei Schwangeren. Bei Neugeborenen wies IL-6 zwar eine hohe Spezifität (97,1 %) auf, die Sensitivität (67,6 %) war jedoch geringer. Diese niedrigeren Sensitivitäts- und AUROC-Werte könnten teilweise auf die Komplexität der Diagnostik der Neugeborenensepsis zurückzuführen sein, für die es keine klare, einheitliche Definition gibt. Das breitere Spektrum der Manifestationen der Neugeborenensepsis könnte ebenfalls zu diesen Unterschieden beitragen.
Dr. Seán Whelan, Hauptautor der Studie, erläuterte die Vorteile von IL-6 gegenüber herkömmlichen Biomarkern: „Die IL-6-Sekretion steigt innerhalb von 1–2 Stunden an, erreicht nach 6 Stunden ihren Höhepunkt und sinkt nach 24 Stunden wieder ab, während CRP und PCT ihren Höhepunkt erst deutlich später, nämlich nach 48 bzw. 24 Stunden, erreichen. Diese schnellere und steilere Reaktion macht IL-6 zu einem vielversprechenden Biomarker für die frühere Sepsis-Erkennung.“
Dr. Whelan betonte auch die zunehmende klinische Anwendung. „IL-6 wird in unseren Einrichtungen, dem Rotunda Hospital und Children’s Health Ireland in der Temple Street, bereits routinemäßig für diese Patientengruppen eingesetzt. Die Herausforderungen für eine breitere Anwendung wurden durch die Entwicklung kommerziell erhältlicher Tests auf gängigen Plattformen, die Echtzeitergebnisse liefern können, verringert. Die COVID-19-Pandemie beschleunigte diesen Prozess, da IL-6-Tests zur Beurteilung von Entzündungen bei Patienten immer häufiger eingesetzt wurden.“
„Unsere Ergebnisse unterstreichen das Potenzial von IL-6 als vielversprechender Biomarker in der Sepsisdiagnostik“, so Dr. Whelan. „Bei breiterer Anwendung und in Kombination mit klinischer Beurteilung könnte IL-6 die klinische Entscheidungsfindung deutlich verbessern und eine rechtzeitige, gezielte Behandlung von Hochrisikopatienten ermöglichen.“
