Martinsried – Die Medigene AG, ein traditionsreiches Biotechnologieunternehmen aus Martinsried bei München, steht vor dem finanziellen Kollaps. Wie das Unternehmen am Montagabend, dem 7. April 2025, mitteilte, hat der Vorstand beschlossen, kurzfristig einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim zuständigen Amtsgericht zu stellen. Grund ist eine Überschuldung, die nach einer aktuellen Bewertung der Vermögenslage festgestellt wurde. Das Unternehmen erwartet, dass es bereits im Mai 2025 zahlungsunfähig sein könnte.
Medigene, 1994 gegründet und seit 2000 an der Frankfurter Börse notiert, galt lange als Vorreiter in der deutschen Biotech-Szene. Der Fokus lag zuletzt auf T-Zell-basierten Immuntherapien zur Krebsbehandlung. Trotz innovativer Ansätze und Partnerschaften, etwa mit BioNTech, konnte das Unternehmen seine finanzielle Lage nicht stabilisieren. Ausbleibende Meilensteinzahlungen und nicht realisierte Vertragsgewinne wurden als Hauptursachen für die Krise genannt. Bereits im November 2024 hatte Medigene Kostensenkungen und Stellenabbau angekündigt, doch diese Maßnahmen reichten offenbar nicht aus.
Die Nachricht schlug in der Branche ein wie eine Bombe. Der Aktienhandel wurde nach der Ankündigung sofort ausgesetzt, der Kurs war zuvor auf unter einen Euro gefallen. Für die etwa 50 Mitarbeiter und die Anleger bleibt die Zukunft ungewiss. Ob eine Sanierung oder Übernahme noch möglich ist, ließ das Unternehmen offen. Die Insolvenz markiert einen schweren Rückschlag für den Münchner Biotech-Cluster und wirft Fragen zur Finanzierbarkeit forschungsintensiver Firmen in Deutschland auf.
Experten sehen in der Pleite ein Symptom größerer Probleme in der Branche, die mit schwierigen Finanzierungsbedingungen und hoher Abhängigkeit von externen Partnern kämpft. Für Medigene, einst ein Hoffnungsträger, scheint nach über 30 Jahren das Kapitel vorerst zu Ende.
