Zum Inhalt springen
Home » Laborwerte bei einer affektiven Schizophrenie

Laborwerte bei einer affektiven Schizophrenie

Die affektive Schizophrenie, besser bekannt als schizoaffektive Störung, ist eine psychiatrische Erkrankung, die Merkmale sowohl der Schizophrenie als auch einer affektiven Störung (z. B. Depression oder Manie) kombiniert. Im Gegensatz zu vielen körperlichen Erkrankungen gibt es keine spezifischen Laborwerte, die die Diagnose einer schizoaffektiven Störung eindeutig bestätigen können. Die Diagnose basiert primär auf klinischen Kriterien, wie sie im DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) oder der ICD-11 (International Classification of Diseases) definiert sind. Dennoch spielen Laboruntersuchungen eine wichtige Rolle, um somatische Ursachen für die Symptome auszuschließen, Begleiterkrankungen zu identifizieren und die medikamentöse Behandlung zu überwachen. Im Folgenden wird ein ausführlicher Überblick über relevante Laborwerte und deren Bedeutung bei der schizoaffektiven Störung gegeben.


1. Diagnostische Abklärung: Ausschluss organischer Ursachen

Da psychotische und affektive Symptome auch durch organische Erkrankungen verursacht werden können, ist eine umfassende Labordiagnostik essenziell, um Differentialdiagnosen wie Schilddrüsenerkrankungen, Vitaminmangel oder neurologische Störungen auszuschließen.

  • Blutbild (kleines und großes Blutbild):
    • Leukozyten, Erythrozyten, Hämoglobin: Abweichungen könnten auf Infektionen, Anämien oder andere systemische Erkrankungen hinweisen, die psychische Symptome imitieren können.
    • Thrombozyten: Wichtig bei der späteren Überwachung von Medikamenten wie Clozapin (siehe unten).
  • Schilddrüsenwerte:
    • TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon), fT3, fT4: Eine Hypothyreose oder Hyperthyreose kann psychotische oder affektive Symptome auslösen. Bei Schizophrenie-Patienten wurden gelegentlich Schilddrüsenanomalien beobachtet, obwohl kein direkter kausaler Zusammenhang besteht.
  • Vitaminspiegel:
    • Vitamin B12 und Folsäure: Ein Mangel kann neurologische und psychiatrische Symptome wie Verwirrtheit oder Depression hervorrufen.
    • Vitamin D: Studien zeigen, dass ein Vitamin-D-Mangel bei Patienten mit Schizophrenie und schizoaffektiven Störungen häufiger vorkommt und möglicherweise die Symptome verschlimmert.
  • Elektrolyte:
    • Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium: Störungen im Elektrolythaushalt (z. B. Hyponatriämie) können durch Psychopharmaka (wie SSRI oder Antipsychotika) verursacht werden oder psychotische Symptome imitieren.
  • Leber- und Nierenwerte:
    • AST, ALT, GGT, Kreatinin, Harnstoff: Diese Werte helfen, die Organfunktion zu beurteilen, da viele Psychopharmaka über Leber und Niere verstoffwechselt werden.
  • Blutzucker und Lipidprofil:
    • Nüchternblutzucker, HbA1c, Cholesterin, Triglyceride: Stoffwechselstörungen sind bei Patienten mit schizoaffektiver Störung häufig, insbesondere unter antipsychotischer Therapie (z. B. Olanzapin, Quetiapin).
  • Entzündungsparameter:
    • CRP (C-reaktives Protein), BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit): Erhöhte Werte könnten auf eine systemische Entzündung hinweisen. Es gibt Hinweise darauf, dass chronische Entzündungsprozesse bei Schizophrenie und schizoaffektiven Störungen eine Rolle spielen könnten.
  • Toxikologie:
    • Drogenscreening (z. B. Cannabis, Amphetamine, Kokain): Substanzkonsum kann psychotische oder affektive Episoden auslösen und muss ausgeschlossen werden.
  • Neurologische Marker:
    • Liquoruntersuchung (selten): In Ausnahmefällen, wenn eine Enzephalitis oder andere neurologische Erkrankungen vermutet werden, kann eine Lumbalpunktion durchgeführt werden, um Antikörper (z. B. Anti-NMDA-Rezeptor-Antikörper) zu testen.

2. Überwachung der medikamentösen Therapie

Die Behandlung der schizoaffektiven Störung erfolgt häufig mit Antipsychotika, Stimmungsstabilisatoren (z. B. Lithium) und Antidepressiva. Diese Medikamente erfordern eine regelmäßige Überwachung der Laborwerte, um Nebenwirkungen zu erkennen und die Sicherheit der Therapie zu gewährleisten.

  • Antipsychotika (z. B. Clozapin, Risperidon, Olanzapin):
    • Clozapin-spezifisch:
      • Leukozyten und Neutrophile: Clozapin kann eine Agranulozytose (lebensbedrohlicher Rückgang der weißen Blutkörperchen) verursachen. Wöchentliche Blutkontrollen sind in den ersten 18 Wochen der Therapie Pflicht, danach monatlich.
    • Leberwerte: Erhöhungen von AST/ALT sind möglich, insbesondere bei atypischen Antipsychotika.
    • Lipidprofil und Blutzucker: Zweite-Generation-Antipsychotika erhöhen das Risiko für metabolisches Syndrom (Fettleibigkeit, Diabetes, Dyslipidämie).
    • Prolaktin: Typische Antipsychotika wie Risperidon können den Prolaktinspiegel erhöhen, was zu hormonellen Störungen führt (z. B. Amenorrhö, Gynäkomastie).
  • Stimmungsstabilisatoren (z. B. Lithium, Valproinsäure):
    • Lithium:
      • Serumspiegel: Therapeutischer Bereich liegt bei 0,6–1,2 mmol/L. Regelmäßige Kontrolle ist notwendig, um Toxizität (z. B. Tremor, Nierenversagen) zu vermeiden.
      • Nierenfunktion: Kreatinin und eGFR (glomeruläre Filtrationsrate) sollten überwacht werden, da Lithium nephrotoxisch sein kann.
      • Schilddrüsenfunktion: TSH und fT4, da Lithium eine Hypothyreose auslösen kann.
    • Valproinsäure:
      • Leberwerte: Erhöhung von Transaminasen ist eine häufige Nebenwirkung.
      • Serumspiegel: Therapeutischer Bereich: 50–100 µg/mL.
      • Blutbild: Thrombozytopenie ist eine seltene, aber mögliche Nebenwirkung.
  • Antidepressiva (z. B. SSRI, SNRI):
    • Natrium: Hyponatriämie ist eine bekannte Nebenwirkung, insbesondere bei älteren Patienten.
    • Leberwerte: Selten, aber möglich bei bestimmten Präparaten (z. B. Duloxetin).

3. Forschungsperspektiven: Biomarker bei schizoaffektiver Störung

Obwohl es derzeit keine etablierten Labor-Biomarker zur Diagnose gibt, untersucht die Forschung potenzielle Kandidaten:

  • Entzündungsmarker: Erhöhte Interleukin-6 (IL-6) und Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-?) wurden in Studien mit Schizophrenie-Patienten gefunden und könnten auch bei schizoaffektiven Störungen relevant sein.
  • Neurotrophine: Ein erniedrigter Spiegel von BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) wird mit neuropsychiatrischen Erkrankungen assoziiert.
  • Oxidativer Stress: Marker wie Malondialdehyd (MDA) oder reduzierte Glutathion-Spiegel könnten auf zelluläre Dysfunktion hinweisen.

4. Zusammenfassung

Bei der schizoaffektiven Störung gibt es keine spezifischen Laborwerte, die die Diagnose direkt bestätigen. Laboruntersuchungen dienen hauptsächlich dazu, organische Ursachen auszuschließen (z. B. Schilddrüsenstörungen, Vitaminmangel) und die Sicherheit sowie Wirksamkeit der medikamentösen Therapie zu überwachen (z. B. Blutbild bei Clozapin, Lithiumspiegel). Stoffwechselparameter wie Blutzucker und Lipide sind aufgrund der häufigen Nebenwirkungen von Antipsychotika ebenfalls von Bedeutung. Zukünftige Forschung könnte durch die Identifikation von Biomarkern die Diagnostik und Therapie weiter verbessern.