Bis vor Kurzem glaubten Forscher, dass die Ausbreitung von Blutplättchen und die Bildung von Blutgerinnseln über denselben Mechanismus gesteuert werden. Eine aktuelle Studie der Thomas Jefferson University stellt diese Annahme jedoch in Frage und eröffnet völlig neue Behandlungsmöglichkeiten, die sowohl Blutungen als auch Thrombosen bzw. Blutgerinnsel bekämpfen.
Die Studie unter der Leitung des Molekularbiologen und Professors am Sidney Kimmel Medical College, Dr. Ulhas Naik , zeigte, dass der Prozess zwar am gleichen Ort beginnt, aber je nach Endpunkt unterschiedliche Signalmoleküle aktiviert werden. Mithilfe von menschlichem plättchenreichem Plasma fanden die Forscher heraus, dass die Hemmung bestimmter Signalmoleküle zwar die Ausbreitung blockierte, nicht jedoch die Gerinnselkontraktion, und umgekehrt.
„Dies ist das erste Mal, dass jemand von zwei verschiedenen Signalwegen berichtet hat, die unterschiedliche Rollen spielen“, sagt Dr. Naik.
Dr. Naik erklärt, dass es bei bestimmten Erkrankungen sinnvoll sein kann, die Gerinnselkontraktion zu verhindern, ohne die Thrombozytenausbreitung zu blockieren. Dadurch kann sich das lose Gerinnsel auflösen, ohne dass es zu übermäßigem Blutverlust kommt. Therapien, die die Thrombozytenausbreitung blockieren, könnten bei implantierten Geräten wie künstlichen Herzklappen und Stents von Vorteil sein, da Thrombozyten an diesen Geräten haften und einen Thrombus bilden. Derzeit klinisch eingesetzte thrombotische Thrombozytenhemmer führen häufig zu Blutungsnebenwirkungen, da sie beide Prozesse hemmen.
Die nächsten Schritte würden darin bestehen, diese Signalwege an gentechnisch veränderten Mäusen zu testen. Dr. Naik sieht in dieser Entdeckung Potenzial für zukünftige pharmazeutische Anwendungen.
