Per- und Polyfluoralkylstoffe (PFAS), oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet, sind eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien, die aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in zahlreichen Produkten und industriellen Anwendungen eingesetzt werden. Ihre extreme Stabilität macht sie jedoch zu einem ernsthaften Umweltproblem, da sie sich in der Natur kaum abbauen und sich in Böden, Gewässern und Lebewesen anreichern. In Deutschland sorgt die Kontamination von Böden – einschließlich solcher an sensiblen Orten wie Spielplätzen – zunehmend für Besorgnis. Dieser Artikel beleuchtet die Situation, Ursachen und potenziellen Risiken der PFAS-Belastung von Spielplätzen.
Ausmaß der Kontamination
In Deutschland wurden in den letzten Jahren an zahlreichen Orten PFAS-Kontaminationen nachgewiesen, darunter landwirtschaftliche Flächen, Gewässer und städtische Böden. Eine Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung aus dem Jahr 2023 ergab, dass über 1.500 Standorte betroffen sind, davon mehr als 300 als „Hotspots“ mit besonders hohen Belastungen. Während der Fokus oft auf industriellen Standorten oder landwirtschaftlichen Flächen liegt, rücken zunehmend auch öffentliche Bereiche wie Spielplätze in den Blick. Konkrete Daten zur flächendeckenden Belastung von Spielplätzen fehlen bisher, doch vereinzelte Untersuchungen und lokale Vorfälle deuten darauf hin, dass das Problem unterschätzt werden könnte.
Ein prominentes Beispiel ist der Fall in Rastatt, Baden-Württemberg, wo etwa 1.200 Hektar Ackerfläche durch PFAS belastet sind. Die Verunreinigung wurde hier auf die Ausbringung von PFAS-haltigem Kompost und Papierschlamm zurückgeführt, der über Jahre auf Böden verteilt wurde. In solchen Regionen ist es plausibel, dass auch nahegelegene Spielplätze betroffen sind, da PFAS mobil sind und sich über Wasserwege oder Niederschläge ausbreiten können. Ähnliche Vorfälle wurden in Bayern, etwa im Raum Altötting, dokumentiert, wo PFAS aus industriellen Abwässern in Böden und Grundwasser gelangten.
Ursachen der Belastung
Die Kontamination von Spielplätzen mit PFAS hat mehrere mögliche Ursachen. Eine häufige Quelle ist der Einsatz von PFAS-haltigen Feuerlöschschäumen, etwa bei Bränden oder Übungen in der Nähe von Flughäfen und Industrieanlagen. Diese Stoffe sickern in den Boden und können über das Grundwasser oder Niederschläge weite Strecken zurücklegen. Ein weiterer Verursacher ist die Verwendung kontaminierter Klärschlämme oder Komposte als Dünger, die auf angrenzenden Flächen ausgebracht werden und PFAS in die Umwelt freisetzen. Zudem können Spielplatzböden durch die Ablagerung von PFAS aus der Luft belastet werden, da volatile Varianten dieser Chemikalien über weite Distanzen transportiert werden.
Auch der direkte Einsatz von PFAS-haltigen Materialien auf Spielplätzen – etwa in wasserabweisenden Beschichtungen von Spielgeräten oder Kunststoffbelägen – könnte eine Rolle spielen, obwohl dies weniger untersucht ist. In städtischen Gebieten, wo Spielplätze oft in der Nähe von Verkehrswegen oder Industriezonen liegen, ist die Belastung durch diffuse Einträge ebenfalls denkbar.
Gesundheitsrisiken für Kinder
Kinder sind besonders anfällig für die gesundheitlichen Auswirkungen von PFAS, da sie auf Spielplätzen häufig direkten Kontakt mit Erde haben, sei es durch Spielen im Sand oder das Berühren von Oberflächen. PFAS können über die Haut aufgenommen werden oder durch das Einatmen von Staub sowie das unbeabsichtigte Verschlucken von Bodenpartikeln in den Körper gelangen. Studien, etwa von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), haben gezeigt, dass bestimmte PFAS wie Perfluoroktansäure (PFOA) und Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) mit gesundheitlichen Problemen wie eingeschränkter Immunantwort, erhöhten Cholesterinwerten, Entwicklungsstörungen und einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung stehen.
Die Europäische Umweltagentur schätzt die jährlichen gesundheitsbezogenen Kosten durch PFAS-Exposition im Europäischen Wirtschaftsraum auf 52 bis 84 Milliarden Euro. Für Kinder, deren Körper und Immunsystem sich noch entwickeln, könnten selbst geringe Mengen dieser Stoffe langfristige Folgen haben.
Maßnahmen und Herausforderungen
Die Bekämpfung der PFAS-Kontamination stellt Behörden vor enorme Herausforderungen. Sanierungsmaßnahmen, wie der Austausch belasteter Böden oder die Filterung von Grundwasser, sind technisch aufwendig und kostenintensiv. In Deutschland gibt es bisher keine flächendeckenden Untersuchungen speziell für Spielplätze, was die Identifikation betroffener Standorte erschwert. Das Umweltbundesamt (UBA) hat Arbeitshilfen wie das „Sanierungsmanagement für lokale und flächenhafte PFAS-Kontaminationen“ entwickelt, um Behörden bei der Bewertung und Sanierung zu unterstützen. Dennoch bleibt die Umsetzung oft lokal begrenzt.
Ein weiteres Problem ist die mangelnde Aufklärung der Bevölkerung. In vielen Fällen werden Anwohner nicht aktiv über PFAS-Belastungen informiert, wie die genannte Medienrecherche zeigte. Vorschläge zur Eindämmung umfassen strengere Regulierungen des PFAS-Einsatzes – ein EU-weites Verbot wird derzeit diskutiert – sowie die Entwicklung PFAS-freier Alternativen. Für Spielplätze könnten präventive Maßnahmen wie regelmäßige Bodenanalysen und der Einsatz unbelasteter Materialien helfen.
Fazit
Die Kontamination von Spielplätzen mit PFAS in Deutschland ist ein unterschätztes, aber potenziell weit verbreitetes Problem. Die hohe Persistenz dieser Chemikalien, ihre Mobilität in der Umwelt und die besonderen Risiken für Kinder machen schnelles Handeln erforderlich. Während erste Schritte wie Leitfäden und lokale Untersuchungen unternommen wurden, fehlen flächendeckende Daten und einheitliche Strategien. Ein Bewusstsein für die Gefahren und verstärkte Kontrollen könnten dazu beitragen, die Belastung zu reduzieren und die Sicherheit von Spielplätzen als Orte des unbeschwerten Spiels zu gewährleisten. Bis dahin bleibt die Frage offen, wie viele Kinder unwissentlich mit diesen „Ewigkeitschemikalien“ in Kontakt kommen.
