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Roche kapituliert vor US-Druck: Diversity-Ziele gestrichen

Basel, 19. März 2025 – Der Schweizer Pharmariese Roche hat seine ehrgeizigen Diversity- und Inklusionsziele (D&I) aufgegeben. Der Schritt folgt auf massiven Druck aus den USA, wo die neue Regierung unter Präsident Donald Trump eine aggressive Kampagne gegen sogenannte DEI-Programme (Diversity, Equity, and Inclusion) vorantreibt. Roche, einst Vorreiter in Europa bei der öffentlichen Bekanntgabe solcher Ziele, zieht sich nun aus dem Rampenlicht zurück und passt sich dem veränderten politischen Klima an.

Jahrelang hatte Roche Vielfalt als Motor für Innovation und Unternehmenserfolg gefeiert. Mit Initiativen wie der „Women’s Leadership Initiative“ und einem Fokus auf Geschlechtergerechtigkeit wollte der Konzern seine Belegschaft diverser gestalten und eine inklusive Unternehmenskultur fördern. Doch die jüngsten Entwicklungen in den USA haben das Unternehmen zum Umdenken gezwungen. Seit Trump im Januar 2025 per Dekret DEI-Programme in staatlichen Institutionen verboten und private Unternehmen aufgefordert hat, diese ebenfalls zu streichen, stehen Konzerne weltweit unter Zugzwang. Roche, das einen bedeutenden Teil seines Geschäfts in den USA abwickelt, sieht sich offenbar gezwungen, auf diese neue Realität zu reagieren.

„Wir passen unsere Strategien an die sich verändernden externen Rahmenbedingungen an“, erklärte ein Roche-Sprecher vage, ohne direkt auf den US-Druck einzugehen. Insider berichten jedoch, dass die Entscheidung mit der Angst vor rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen in einem der wichtigsten Märkte des Unternehmens zusammenhängt. Die Streichung der quantitativen Diversity-Ziele, wie etwa der Anteil von Frauen in Führungspositionen oder die Repräsentation unterrepräsentierter Gruppen, markiert einen klaren Bruch mit der bisherigen Unternehmensphilosophie.

Kritik kommt prompt aus den eigenen Reihen. Mitarbeitende, die anonym bleiben möchten, äußern Enttäuschung: „Roche hat sich immer als progressiv präsentiert. Jetzt knickt man ein, sobald es unbequem wird.“ Auch in der Schweiz, wo das Unternehmen tief in der Wirtschaft verwurzelt ist, wird die Entscheidung kontrovers diskutiert. Während einige den pragmatischen Kurs loben, sehen andere darin einen Verlust an Glaubwürdigkeit. „Ein Unternehmen wie Roche sollte Haltung zeigen, statt sich dem Druck zu beugen“, meint ein Diversity-Experte aus Zürich.

Die Kehrtwende reiht sich in eine wachsende Liste von Konzernen ein, die ihre DEI-Programme zurückfahren. Google, Amazon und nun auch Roche – der Dominoeffekt aus Washington ist unübersehbar. Für Roche könnte dies jedoch langfristige Folgen haben. Die Reputation als Arbeitgeber, der Inklusion großschreibt, war ein Magnet für Talente. Ob der Konzern diesen Vorteil ohne seine Diversity-Ziele halten kann, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: In Basel hat man sich entschieden, den Sturm aus den USA abzuwettern – auch wenn das bedeutet, eigene Werte aufzugeben.