Erhöhte Leberwerte sind ein häufiger klinischer Befund, der bei etwa 20% aller untersuchten Patienten auftritt. Diese Werte werden meist bei Vorsorgeuntersuchungen oder bei der Abklärung unspezifischer Beschwerden entdeckt.
Basisdiagnostik und Referenzwerte
Die grundlegende Diagnostik umfasst die Bestimmung von:
- GOT (AST): Normwerte <50 U/L (Männer), <35 U/L (Frauen)
- GPT (ALT): Normwerte <50 U/L (Männer), <35 U/L (Frauen)
- Gamma-GT (GGT): Normwerte <60 U/L (Männer), <40 U/L (Frauen)
- Alkalische Phosphatase (AP): Normwerte 40-130 U/L (Männer), 35-105 U/L (Frauen)
Mit diesen Parametern können etwa 95% aller Lebererkrankungen erkannt werden. Einmalig leicht erhöhte Werte erfordern meist keine weitere Diagnostik, während chronische Erhöhungen (>6 Monate) oder Werte über dem 3-fachen des Normbereichs abgeklärt werden sollten.
Vorgehensweise bei erhöhten Leberwerten
Bei erstmalig erhöhten Werten unter dem 2-fachen des Normwertes genügt eine Kontrolle nach 2-3 Monaten. Bei stärkeren Erhöhungen oder wiederholtem Nachweis ist eine weiterführende Diagnostik notwendig. Für ein zielgerichtetes Vorgehen sind eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung unerlässlich.
Schädigungsmuster und Differentialdiagnostik
Hepatozelluläres Schädigungsmuster (GOT und GPT betont)
Der De-Ritis-Quotient (GOT/GPT) gibt Hinweise auf das Ausmaß der Leberschädigung:
- <0,7: eher Entzündung
- >1,0: ausgeprägterer Schaden mit Nekrose
- >2,0 mit erhöhter Gamma-GT: Hinweis auf alkoholischen Leberschaden
Häufige Ursachen sind NAFLD/NASH, Arzneimittelschäden, Virushepatitis, Autoimmunhepatitis und hereditäre Erkrankungen.
Cholestatisches Schädigungsmuster (Gamma-GT und AP betont)
Bei diesem Muster sollte mittels Sonographie geklärt werden, ob eine Erweiterung der Gallengänge vorliegt. Ursachen können primär biliäre Cholangitis, sklerosierende Cholangitis oder Abflusshindernisse der Gallenwege sein.
GGT-betontes Schädigungsmuster
Dieses Muster deutet auf toxische oder infiltrative Lebererkrankungen hin, wie alkoholische Fettleber, Medikamentenschäden oder umschriebene Raumforderungen.
Wichtig zu beachten ist, dass Arzneimittel alle Schädigungsmuster verursachen können und dass selbst chronisch leicht erhöhte Leberwerte mit einer gesteigerten leberbedingten Mortalität assoziiert sind.
Quellen:
Erhöhte Leberwerte https://www.ladr.de/fuer-aerztinnen/fachinformationen/ladr-informiert/internistische-fragestellungen/erhoehte-leberwerte
