Jahrelang orientierte sich die Behandlung von Brustkrebs an genetischen Veränderungen, die im Tumorgewebe gefunden wurden, typischerweise durch invasive Biopsien. Die dynamische Natur von Krebs und die Einschränkungen bei der Gewebeentnahme stellten jedoch erhebliche Hindernisse für Kliniker dar. Zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA), die von Tumorzellen in den Blutkreislauf abgegeben wird, bietet eine vielversprechende nicht-invasive Alternative. Sie ermöglicht eine Echtzeitüberwachung und umfassende genetische Profilierung und bietet neue Möglichkeiten, das Fortschreiten des Krebses und das Ansprechen auf die Behandlung zu verfolgen, ohne dass wiederholte Biopsien erforderlich sind.
Eine am 21. Januar 2025 in Precision Clinical Medicine veröffentlichte Studie (DOI: 10.1093/pcmedi/pbae034) von Forschern des PRAEGNANT-Netzwerks in Deutschland untersucht die klinischen Auswirkungen von ctDNA-Tests bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs. Ziel der Studie ist es, die Prävalenz genetischer Mutationen, die Faktoren, die ctDNA-Tests vorantreiben, und ihre Auswirkungen auf die klinische Entscheidungsfindung bei der Behandlung zu untersuchen. Im Rahmen der Studie wurden 49 Patientinnen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs einer ctDNA-Analyse mit dem von der FDA zugelassenen Guardant360 CDx-Test unterzogen. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Sie zeigten, dass 76 % der Patientinnen mindestens eine somatische Mutation aufwiesen, wobei die am häufigsten veränderten Gene TP53 (29 %), PIK3CA (24 %), FGFR1 (20 %) und ATM (16 %) waren. Mutationen in BRCA1 und BRCA2 wurden bei 6 % bzw. 8 % der Patientinnen gefunden, während 12 % der Patientinnen ESR1-Mutationen aufwiesen. Diese Erkenntnisse unterstreichen das Potenzial von ctDNA als wertvoller Biomarker, insbesondere für Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem, HER2-negativem Brustkrebs. Die Studie ergab auch, dass ctDNA-Tests in 35 % der Fälle die Behandlungsentscheidungen beeinflussten, was die Eignung für Therapien wie Alpelisib, Elacestrant und Capivasertib ermöglichte. Darüber hinaus untermauerte die hohe Übereinstimmung zwischen ctDNA- und FFPE-Gewebeproben die Zuverlässigkeit dieser nicht-invasiven Testmethode. Dr. Peter A. Fasching, korrespondierender Autor der Studie, kommentierte die Bedeutung dieser Ergebnisse: „Unsere Forschung zeigt, dass die ctDNA-Analyse ein tieferes Verständnis der genetischen Zusammensetzung von fortgeschrittenem Brustkrebs bietet und wichtige Erkenntnisse liefert, die personalisiertere Behandlungsansätze ermöglichen. Diese nicht-invasive Methode hat das Potenzial, die Behandlung und Behandlung von metastasiertem Brustkrebs zu verändern.“ Die Integration von ctDNA-Tests in die alltägliche klinische Praxis könnte die Brustkrebsbehandlung revolutionieren und einen präziseren und maßgeschneiderten Ansatz bieten. Durch die Identifizierung spezifischer genetischer Mutationen können Ärzte Therapien personalisieren, die Ergebnisse verbessern und möglicherweise die Resistenz verringern. Diese Studie unterstreicht die Bedeutung einer breiteren Einführung von ctDNA-Tests und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung, um ihr Potenzial zur Revolutionierung der Krebsbehandlung voll auszuschöpfen.
