Die Ursachen von Fettleibigkeit sind komplex und werden von vielen Faktoren beeinflusst. Während die Forschung Zusammenhänge zwischen Schlaf, Essgewohnheiten und Gewichtszunahme aufgezeigt hat, sind sich Wissenschaftler noch immer nicht sicher, welche Rolle das zirkadiane System – die biologische Uhr – bei der Gestaltung von Essgewohnheiten spielt.
Doch eine neue Studie von Forschern der Warren Alpert Medical School der Brown University und des Mass General Brigham zeigt eine deutliche Beziehung zwischen zirkadianen Rhythmen, Gewicht und Essgewohnheiten bei Jugendlichen, einer gefährdeten Altersgruppe, deren Essgewohnheiten ihre Gesundheit ein Leben lang beeinflussen. Die Studie ergab, dass Jugendliche, deren Gewicht als „übergewichtig“ oder „fettleibig“ eingestuft wurde, später am Tag mehr Kalorien zu sich nahmen als Teilnehmer mit gesundem Gewicht.
Die Ergebnisse zeigten, dass circadiane Rhythmen eine wichtige Rolle bei der Erklärung der späteren Kalorienaufnahme bei Personen mit einem Risiko für Fettleibigkeit spielen, sagte die leitende Forscherin Mary Carskadon, Professorin für Psychiatrie und menschliches Verhalten an der Brown University Medical School.
Die Teilnehmer erhielten während der Wachphase sechsmal die Möglichkeit, zu festgelegten Zeiten zu essen. Dabei wurde ihnen ein standardisiertes Menü serviert, und sie konnten während der Mahlzeit so viel essen, wie sie wollten. Die Forscher verfolgten die verzehrten Nahrungsmittel sowie die Kalorienaufnahme. Tagsüber wurden sie von studentischen Forschungspraktikanten der Brown University und anderer Institutionen überwacht, die ihnen die Möglichkeit boten, an einer Vielzahl von Aktivitäten teilzunehmen, darunter Basteln, Filme ansehen (bei gedimmtem Bildschirmlicht) und Gesellschaftsspiele.
Die Ergebnisse zeigten, dass Veränderungen im zirkadianen System im Tages- und Nachtverlauf die Nahrungsaufnahme erheblich beeinflussten. In allen drei Gruppen erreichte die Nahrungsaufnahme am späten Nachmittag und frühen Abend ihren Höhepunkt und war am Morgen am niedrigsten, selbst nach Berücksichtigung von Verhaltens- und Umweltfaktoren. Dies zeigt, dass die biologische Uhr des Körpers direkten Einfluss darauf hat, wie viel Menschen zu verschiedenen Tageszeiten essen.
Jugendliche in der Fettleibigkeits- und Übergewichtsgruppe konsumierten am zirkadianen Abend deutlich mehr Kalorien als die in der Gruppe mit gesundem Gewicht. Die Forscher stellten über die Schlafzyklen hinweg keine signifikanten Unterschiede in der Gesamtschlafzeit zwischen oder innerhalb der Gruppen fest.
