Eine personalisierte, risikobasierte Strategie zur Brustkrebs-Früherkennung ist nach Ergebnissen einer großen, randomisierten klinischen Studie (WISDOM-Studie) mindestens genauso sicher und wirksam wie die herkömmliche jährliche Mammografie-Screening-Empfehlung. Gleichzeitig könnte der risikoadaptierte Ansatz Ängste reduzieren, Kosten senken und unnötige Folgeuntersuchungen sowie Biopsien vermeiden helfen. Die Ergebnisse der vom National Cancer Institute (NCI) der NIH geförderten Studie erschienen am 12. Dezember 2025 im Fachjournal JAMA.
Studie umfasst über 28.000 Frauen
Die WISDOM-Studie („Women Informed to Screen Depending On Measures of risk“) wurde unter Leitung von Dr. Laura Esserman (University of California, San Francisco) durchgeführt und umfasste mehr als 28.000 Frauen im Alter von 40 bis 74 Jahren aus allen 50 US-Bundesstaaten ohne vorherige Brustkrebsdiagnose.
- Kontrollgruppe (ca. 50 %): Jährliche Mammografie-Screening ab Alter 40 (Standardempfehlung).
- Interventionsgruppe (ca. 50 %): Umfassende individuelle Risikobewertung anhand von Alter, genetischen Faktoren (Polygen-Risikoscore), Familien- und Eigenanamnese, Lebensstilfaktoren und Brustdichte (Mammografiedichte).
Die Frauen der risikobasierten Gruppe wurden in vier Risikokategorien eingeteilt, die jeweils unterschiedliche Screening-Intervalle und -modalitäten vorsahen:
- Höchstes Risiko (ca. 2 %): Screening alle 6 Monate, abwechselnd MRT und Mammografie.
- Erhöhtes Risiko (ca. 8 %): Jährliche Mammografie ab Alter 40.
- Durchschnittliches Risiko (ca. 63 %): Mammografie alle 2 Jahre ab Alter 50.
- Niedrigstes Risiko: Kein Screening vor Alter 50 empfohlen.
Die Nachbeobachtungszeit betrug im Mittel etwa 5 Jahre.
Wichtigste Ergebnisse
- Die risikobasierte Strategie war der jährlichen Mammografie nicht unterlegen bei der Detektion von Brustkrebs.
- In der risikobasierten Gruppe traten ein Drittel weniger fortgeschrittene Tumore (über einem bestimmten Stadium) auf als in der jährlichen Screening-Gruppe.
- Innerhalb der risikobasierten Gruppe stieg die Krebsinzidenz erwartungsgemäß mit dem Risikolevel – auffällig: In der höchstriskanten Gruppe gab es keine Tumore in den kritischen fortgeschrittenen Stadien.
- Die Rate an Brustbiopsien war in beiden Gruppen vergleichbar und stieg in der risikobasierten Gruppe ebenfalls mit dem Risiko an.
- Frauen mit hohem Risiko erhielten individuelle Beratung zu risikoreduzierenden Maßnahmen (Lebensstiländerungen, risikoreduzierende Medikamente wie Tamoxifen oder Aromatasehemmer) – und nutzten diese deutlich häufiger.
Zusätzlich nahmen über 18.000 Frauen an einer beobachtenden Kohorte teil (ohne Randomisierung). Von diesen wählten fast 90 % freiwillig den risikobasierten Ansatz – ein starkes Indiz dafür, dass diese personalisierte Strategie bei den meisten Frauen auf hohe Akzeptanz stößt.
Bedeutung für die Praxis
„Der personalisierte Ansatz beginnt mit einer Risikobewertung, die genetische, biologische und Lebensstilfaktoren einbezieht, und kann dann effektive Präventionsstrategien steuern“, erklärt Studienleiterin Laura Esserman.
Co-Autorin Allison Fiscalini ergänzt: „Dies ist eine der ersten Studien, die allen Frauen – unabhängig von der Familienanamnese – einen Gentest angeboten hat. In Kombination mit einer umfassenden Risikobewertung könnten diese Ergebnisse die Sicherheit und Wirksamkeit von Screening und Prävention nachhaltig verbessern.“
Die Autoren räumen ein, dass die tatsächliche Umsetzung der empfohlenen Screening-Intervalle in beiden Gruppen nicht immer vollständig erfolgte, was die Ergebnisse etwas beeinflusst haben könnte. Dennoch sprechen die Daten klar dafür, dass risikobasierte Brustkrebs-Früherkennung eine sichere und potenziell vorteilhaftere Alternative zur einheitlichen jährlichen Mammografie darstellt.
Weitere NIH-finanzierte Studien zur Optimierung personalisierter Screening-Ansätze laufen derzeit.
Originalpublikation
Esserman LJ et al. Risk-Based vs Annual Breast Cancer Screening: The WISDOM Randomized Clinical Trial. JAMA. 2025 Dec 12:e2524784. doi: 10.1001/jama.2025.24784.
Die Studie wurde u. a. vom National Cancer Institute (NCI), dem Patient-Centered Outcomes Research Institute (PCORI), der Breast Cancer Research Foundation und mehreren privaten Stiftungen gefördert.
