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Niedrige CMV-Inzidenz bei Nierentransplantierten in der modernen Immunsuppressionsära

London – Eine retrospektive Studie aus dem London Health Sciences Center zeigt eine relativ niedrige Inzidenz von Cytomegalievirus-(CMV-)Infektionen bei Nierentransplantierten in der aktuellen Ära der Immunsuppression. Von 233 untersuchten Patienten entwickelten 14,6 % eine CMV-Infektion, und es trat kein einziger Rückfall während der Nachbeobachtung auf.

Die mittlere Patientenalter betrug 46,7 Jahre; 73 % erhielten Organe von verstorbenen Spendern, 27 % von Lebendspendern. Häufigste Ursache der terminalen Niereninsuffizienz war diabetische Nephropathie (34,1 %), gefolgt von Glomerulonephritis (19 %) und Hypertonie (7 %). Fast alle Patienten erhielten eine Tripel-Immunsuppression mit Mycophenolat-Mofetil; nur drei bekamen Prednisolon, Tacrolimus und Sirolimus. 45 % erhielten Antikörper-Induktionstherapie.

41 % der Empfänger waren CMV-seronegativ; davon erhielten 56 % Organe von seropositiven Spendern. Als potenzielle Gründe für die geringe Inzidenz nennen die Autoren:

  • CMV-Prophylaxe im frühen Post-Transplant-Zeitraum (oft langfristig oral mit Ganciclovir)
  • Intravenöses Ganciclovir/Valganciclovir bei Abstoßungsbehandlungen
  • Niedrigere Zielspiegel von Cyclosporin und Tacrolimus
  • Begrenzter und niedrig dosierter Einsatz von Antithymozytenglobulin (ATG)

Als unabhängige Risikofaktoren für CMV-Infektion erwiesen sich der CMV-Serostatus von Spender und Empfänger sowie ein positives B-Zell-Crossmatch. Antikörper-Induktionstherapie war nicht mit höherem Risiko assoziiert – möglicherweise aufgrund der kleineren Stichprobe oder geringerer ATG-Dosen im Vergleich zu früheren Studien.

Die Ergebnisse bestätigen eine niedrige CMV-Inzidenz in den ersten 2–5 Jahren nach Transplantation und unterstreichen die Bedeutung des B-Zell-Crossmatch als Risikofaktor – unabhängig vom CMV-Serostatus. Die Studie erschien am 26. Januar 2026 und wurde von Dr. Alexander Woodman (King Fahad Medical Complex) kommentiert.