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Neoadjuvante Therapien bei Krebs nehmen stark zu

Der zweite Jahresbericht der National Cancer Database (NCDB) des American College of Surgeons (ACS) dokumentiert einen deutlichen Anstieg neoadjuvanter systemischer Therapien – also Chemotherapie, Immuntherapie und Hormontherapie vor der Operation – bei vielen Krebsarten. Diese Behandlung schrumpft Tumore, ermöglicht oft weniger invasive Eingriffe und hilft, die Wirksamkeit der Medikation zu beurteilen, um die beste individuelle Therapie zu wählen.

Der Bericht, veröffentlicht im Journal of the American College of Surgeons (JACS), basiert auf Daten von mehr als 22 Millionen Krebsfällen, die zwischen 2004 und 2022 in 1250 ACS-zertifizierten Kliniken diagnostiziert wurden. Die NCDB erfasst rund 75 Prozent aller Krebsfälle in den USA und enthält detaillierte Angaben zu Tumorbiologie, Krankenhausaufenthalt und Behandlungsverlauf.

Besonders stark stieg der Einsatz neoadjuvanter Therapien bei gynäkologischen Krebsen (von 7 % 2010 auf 34 % 2022), Pankreaskrebs (von 12 % auf 40 %) sowie seltenen Tumoren der Bauchfell- und Mesenterialgewebe (von 23 % auf 47 %). Historisch galt die Operation als erste Maßnahme bei soliden Tumoren. Heute erfolgt häufiger eine medikamentöse Vorbehandlung, die den Tumor verkleinert und die Reaktion auf die Therapie zeigt.

Der Bericht beleuchtet zudem drei Krebsarten detailliert:

  • Prostatakrebs: Der häufigste Krebs bei Männern wird zunehmend nicht-operativ behandelt. 2022 erhielten rund 60 % der Patienten keine Operation (2018: 54 %). Bei operierten Patienten war die Prostatektomie mit 85 % der häufigste Eingriff. Risikofaktoren für letalen Verlauf waren PSA-Werte über 20, höheres Stadium und höherer Tumorgrad.
  • Speiseröhrenkrebs: Der Anteil immuntherapiebehandelter Patienten stieg von 8 % (2018) auf 30 % (2022). Die Erkrankung wird jedoch oft spät entdeckt: Etwa die Hälfte der Fälle liegt bei Diagnose bereits im Stadium IV. Die Autoren fordern effektive Screening-Methoden, um frühere Stadien zu erkennen und mehr Patienten weniger invasive Behandlungen zu ermöglichen.
  • Melanom: Der Tumor trat am häufigsten am Rumpf (30 %) und an Oberarmen/Schultern (25 %) auf. Melanome an Kopfhaut und Hals wiesen die schlechteste Überlebensrate auf. Ulzeration (Aufbrechen der Hautoberfläche) war ebenfalls mit schlechterer Prognose verbunden.

Zukünftige Berichte sollen weitere Krebsarten vertieft analysieren. Die NCDB bietet einzigartige Einblicke in Behandlungsverläufe und ermöglicht evidenzbasierte Fortschritte. Die Autoren betonen, dass die Daten die rasante Entwicklung evidenzbasierter Krebstherapien widerspiegeln und Kliniker sowie Öffentlichkeit informieren sollen.

Der Bericht unterstreicht den Trend zu personalisierter Medizin: Neoadjuvante Therapien verbessern nicht nur Operationschancen, sondern dienen auch als Test, ob der Tumor auf die Medikation anspricht. Bleibt die Reaktion aus, kann frühzeitig umgesteuert werden. Die NCDB bleibt eine zentrale Ressource für Krebsstatistiken in den USA.