Ein Team kanadischer Wissenschaftler hat eine neue Methode entdeckt, um das Wachstum des Glioblastoms, der aggressivsten und derzeit unheilbaren Form von Hirntumoren, zu verlangsamen – und ein bereits existierendes Medikament identifiziert, das zur Behandlung eingesetzt werden könnte.
Die Forschungsergebnisse zeigen, dass bestimmte Gehirnzellen – von denen man einst annahm, sie würden lediglich die gesunde Nervenfunktion unterstützen – tatsächlich das Wachstum und die Ausbreitung von Glioblastomen fördern. Die Forscher entdeckten, dass diese Zellen Signale aussenden, die den Tumor stärken. Blockierten sie diese schädliche Kommunikation jedoch in Labormodellen, verlangsamte sich das Krebswachstum deutlich.
Noch vielversprechender ist, dass die Studie nahelegt, dass ein bereits existierendes HIV-Medikament umfunktioniert werden könnte, um diesen Prozess gezielt zu beeinflussen und so eine neue Behandlungsoption für Patienten zu bieten, denen es derzeit nur wenige gibt. Die Prognose für ein Glioblastom ist schlecht, die Überlebenszeit wird oft in Monaten gemessen.
Die Studie wurde am 21. Januar 2026 in der Fachzeitschrift Neuron veröffentlicht und von Wissenschaftlern der McMaster University und des Hospital for Sick Children (SickKids) geleitet. Erstautoren sind Kui Zhai, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Singh-Labor an der McMaster University, und Nick Mikolajewicz, der zum Zeitpunkt der Studie als Postdoktorand im Moffat-Labor am SickKids tätig war.
„Ein Glioblastom ist nicht einfach nur eine Ansammlung von Krebszellen, sondern ein ganzes Ökosystem“, erklärt Sheila Singh , Co-Seniorautorin der Studie und Professorin für Chirurgie an der McMaster University. „Indem wir entschlüsselt haben, wie diese Zellen miteinander kommunizieren, haben wir eine Schwachstelle entdeckt, die mit einem bereits zugelassenen Medikament angegriffen werden könnte“, fügt Singh hinzu, die auch Direktorin des Zentrums für Krebsforschung an der McMaster University ist.
Es ist bekannt, dass Glioblastome durch die Bildung eines Netzwerks von Zellen wachsen, die miteinander kommunizieren und sich gegenseitig unterstützen. Die Unterbrechung dieser Verbindungen kann das Krebswachstum verlangsamen. Diese Studie untersuchte genauer, welche Gehirnzellen daran beteiligt sind. Die Forscher entdeckten, dass Oligodendrozyten, eine Zellart, die normalerweise Nervenfasern schützt, ihre Funktion ändern und das Tumorwachstum sogar fördern können. Diese Helferzellen kommunizieren über ein spezifisches Signalsystem mit den Krebszellen und schaffen so ein Umfeld, in dem der Tumor gedeihen kann. Als die Forscher diese Kommunikation in Labormodellen blockierten, verlangsamte sich das Krebswachstum deutlich. Dies zeigt, dass diese Interaktion für das Überleben von Glioblastomen entscheidend ist.
Besonders vielversprechend an diesem Befund ist, dass das Signalübertragungssystem einen Rezeptor namens CCR5 involviert, der bereits Ziel des HIV-Medikaments Maraviroc ist. Das bedeutet, dass ein bereits zugelassenes und weit verbreitetes Medikament möglicherweise zur Behandlung von Glioblastomen eingesetzt werden könnte und somit Hoffnung auf schnellere Fortschritte bei der Entwicklung neuer Therapien weckt.
